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HERZ JESU ANDACHT
Urteil der heiligen Margareta Maria Alacoque über die Herz Jesu-Andacht
"Ich wüßte keine Andacht im geistlichen Leben, die mehr geeignet wäre, eine dem Dienste Gottes ergebene Seele in kurzer Zeit zu einer höheren Stufe der Heiligkeit zu erheben, als diese Andacht. Ja, ich bin überzeugt, daß, wenn man wüßte, wie wohlgefällig dieselbe für Jesus ist, es keinen Christen gäbe, der diesen liebreichen Erlöser nur halbwegs liebt, sie nicht allsogleich ausübte. Mein göttlicher Erlöser hat mir zu erkennen gegeben, daß auch weltliche Personen durch diese Andacht alle Hilfe finden, die sie in ihrem Stande nötig haben, nämlich Frieden in ihrer Familie, Erleichterung in ihren Arbeiten, den Segen des Himmels in ihren Unternehmungen, Trost im Leiden und in diesem anbetungswürdigen Herzen eine Zufluchtsstätte im Leben und ganz besonders in der Stunde des Todes. O wie süß ist der Tod, wenn man das Herz desjenigen, der uns richten soll, stets verehrt hat!"
Was sagt Papst Pius XII. über die Herz Jesu-Andacht?
In seiner Enzyklika "Haurietis Aquas" vom 15. Mai 1956 schreibt Papst Pius XII. über die Herz Jesu-Verehrung u.a.:
"Unmöglich können die Gnadengaben aufgezählt werden, welche die dem heiligsten Herzen Jesu erwiesene Verehrung in die Seelen der Gläubigen ergießt, indem er sie reinigt, mit himmlischem Trost erquickt und zu allen Tugenden anregt... Ein unschätzbares Geschenk... Eine unerschöpfliche Fülle himmlischer Gaben...
Jesu Herz, als ein vornehmster Teil seiner menschlichen Natur, hypostatisch mit der Person des göttlichen Wortes verbunden, ist deshalb der gleiche Kult der Anbetung zu erweisen, womit die Kirche die Person des menschgewordenen Sohnes Gottes ehrt...
Sein Herz ist mehr als alle übrigen Glieder seines Leibes ein natürliches Zeichen oder Sinnbild seiner unermeßlichen Liebe zum Menschengeschlecht...
Nichts also steht im Wege, das heiligste Herz Jesu Christi anzubeten, da es ja teilhaft und ein natürliches, tief bezeichnendes Sinnbild jener unerschöpflichen Liebe ist, von der unser göttlicher Erlöser immer noch zu allen Menschen brennt. Wenn es nunmehr auch den Erschütterungen dieses sterblichen Lebens nicht mehr unterworfen ist, so lebt es doch und schlägt und ist unlösbar verbunden mit der Person des göttlichen Wortes und in ihr und durch sie mit seinem göttlichen Willen. Weil deshalb das Herz Christi überfließt von göttlicher und menschlicher Liebe und weil es überreich ist an allen Gnadenschätzen, die unser Erlöser durch sein Leben, sein Leiden und seinen Tod erworben hat, ist es wahrlich eine Quelle jener ewigen Liebe, die sein Geist in alle Glieder seines mystischen Leibes einströmen läßt.
Das Herz unseres Heilandes gibt also irgendwie das Bild der göttlichen Person des Wortes wieder, ebenso der doppelten, menschlichen und göttlichen Natur; und in ihm können wir nicht nur das Sinnbild, sondern auch die Zusammenfassung des ganzen Geheimnisses unserer Erlösung erblicken. Wenn wir das heiligste Herz Jesu Christi anbeten, so beten wir in ihm und durch es die ungeschaffene Liebe des göttlichen Wortes, wie zugleich seine menschliche Liebe, seine übrigen Gesinnungen und Tugenden an, da diese zweifacher Liebe unseren Heiland bewog, sich für uns und die ganze Kirche, seine Braut, hinzuopfern...
Diese Verehrung ist in ihrem Wesen nichts anderes als Verehrung der göttlichen und menschlichen Liebe des fleischgewordenen Wortes, ist wieder nichts anderes als die Verehrung jener Liebe, mit der auch der himmlische Vater und der Heilige Geist die sündigen Menschen umhegen...Bahnbrecher und Förderer der Verehrung des heiligsten Herzens Jesu waren die Heiligen Bonaventura, Albert der Große, Gertrud, Katharina von Siena, der selige Heinrich Seuse, die Heiligen Petrus Canisius und Franz von Sales, Johannes Eudes und an erster Stelle Margareta Maria Alacoque mit Hilfe des seligen Claude de la Colombière.
Dieser Kult hat seinen Ausgang nicht von einer göttlichen Privatoffenbarung genommen, noch daß er in der Kirche plötzlich dagewesen sei; er ist vielmehr von selbst erblüht aus lebendigem Glauben und inniger Andacht, die begnadete Menchen zum anbetungswürdigen Erlöser und seinen verklärten Wundmalen beseelte, jene das Menschenherz tief und mächtig ergreifender Zeugen seiner unermeßlichen Liebe... Dieser Kult hat seine Wurzel in den Grundlagen der christlichen Lehre...
(Am 6. Februar 1725 gestattete Papst Klemenz XIII. den Bischöfen Polens und der sogenannten Römischen Erzbruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu die liturgische Feier des Herz Jesu-Festes. Am 23. August 1856 dehnte Papst Pius IX. das Herz Jesu-Fest auf die ganze Kirche aus.)
Wenn diese Andacht ausdauernd, mit klarer und tiefereindringender Einsicht geübt wird, muß ein gläubiges Herz zu jener wohltuenden Erkenntnis der Liebe Christi kommen, welche die Summe des christlichen Lebens ausmacht... Dieser Kult ist eine Frömmigkeitsform, welche die geistige, echte und wahre Gottesverehrung durchaus vervollkommnet...
Wenn der gläubige Christ das Herz Jesu verehrt, so verehrt er anbetend zusammen mit der Kirche das Zeichen und gleichsam die Spur der göttlichen Liebe, die so weit gegangen ist, daß sie auch mit dem Herzen des fleischgewordenen Wortes die mit so viel Schuld befleckte Menschheit liebte...
Die Verehrung des heiligsten Herzens gilt in Übung und Praxis als vollkommenes Bekenntnis der christlichen Religion. Das ist ja die Religion Jesu, die ganz in den Mittler Mensch - und - Gott gelegt ist, so daß man zum Herzen Gottes nur kommen kann durch das Herz Christi, wie er selbst sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich" (Jo. 14,6)...
Die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu ist dem Wesen der Sache nach der Kult der Liebe, mit der Gott uns durch Jesus geliebt hat, und zugleich die Übung unserer Liebe zu Gott und den übrigen Menschen... Dies ist das Ziel dieser Verehrung, auf das sie geht, daß wir die Liebe, die uns mit Gott und den übrigen Menschen verbindet, zur höchsten Vollendung bringen, dadurch daß wir tagtäglich eifriger das neue Gebot (der Nächstenliebe) erfüllen...
Es geht hier nicht um eine gewöhnliche Andachtsform, die jeder nach Gutdünken den übrigen nachsetzen oder geringachten darf, sondern um eine Hingabe an Gott, die mächtig hilft zur Erlangung der christlichen Vollkommenheit...
Andacht ist (nach dem heiligen Thomas von Aquin O.P.) nichts anderes als ein Wollen, sich entschlossen dem hinzugeben, was zum Dienste Gottes gehört; kann dann ein Dienst Gottes pflichtgemäßer und notwendiger, aber auch edler und beglückender sein als der, welcher der Liebe zu dienen vermag? Was kann jedoch Gott willkommener und angenehmer sein als jener Dienst, der der göttlichen Liebe sich hingibt, da ja jeder freiwillige Dienst in gewissem Sinne ein Geschenk ist, und die Liebe "die Bedeutung des ersten Geschenkes hat, durch das alle Geschenke umsonst gegeben werden" (Heiliger Thomas, quae. 38, a. 2)...
Wo nun, ehrwürdige Brüder, ist gegen das viele Böse, das, wenn überhaupt je, so besonders heute die Einzelmenschen, die Familien, die Nationen und den ganzen Erdkreis in bedrückende Unordnung versetzt, Hilfe zu suchen? Gibt es eine Andacht, die hochwertiger wäre als die Herz Jesu-Verehrung, die genauer der Eigenart des katholischen Glaubens entspräche, die angepaßter den heutigen Nöten der Kirche und der Menschheit entgegenkäme? Welche Gottesverehrung wäre würdiger, ansprechender und heilsamer als sie, da der Kult, um den es geht, ganz auf die Liebe Gottes ausgerichtet ist? Was endlich kann wirksamer als die Christusliebe, und die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu entzündet sie täglich mehr, die Gläubigen bestimmen, das Gesetz des Evangeliums in ihrer Lebensführung zu verwirklichen, ohne das, wie das Wort des Heiligen Geistes, "das Werk der Gerechtigkeit ist der Friede" (Js. 32,17), überzeugend mahnt, keineswegs ein Friede unter den Menschen herrschen kann, der diesen Namen verdient.
"Seht, ein anderes Segen verkündendes und göttliches Zeichen bietet sich heute den Blicken dar: das heiligste Herz Jesu..., das in hellem Glanz unter den Flammen aufleuchtet. Auf dieses Zeichen ist alle Hoffnung zu setzen: von ihm ist das Heil der Menschen zu erflehen und zu erwarten" (Papst Pius XI. in der Enyzklika "Miserentissimus Redemptor" vom 8. Mai 1928)...
Es ist auch unser brennender Wunsch, daß alle, die mit Stolz sich Christen nennen und angestrengt für die Errichtung des Reiches Christi auf Erden kämpfen, die andächtige Verehrung des Herzens Jesu zum Wahrzeichen und zur Quelle der Einheit, des Heiles und Friedens wählen. Doch soll niemand glauben, daß durch diese Andacht den anderen Frömmigkeitsformen, in denen das christliche Volk unter Führung der Kirche den göttlichen Erlöser ehrt, irgendwie Abbruch getan wird. Im Gegenteil wird eine innige Herz Jeus-Andacht die Verehrung des heiligen Kreuzes und die Liebe zum hochheiligen Altarsakrament ohne Zweifel nur stark fördern..
Die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu ist die wirkungsvollste Schule der Gottesliebe...
Damit sich aber aus dem Kult des heiligsten Herzens Jesu auf die christliche Familie, ja die ganze Menschheit ein reicherer Segen ergieße, mögen die Christgläubigen mit ihr auch die Verehrung des unbefleckten Herzens der Gottesmutter eng verbinden. Denn da nach dem Willen Gottes bei der Durchführung des Erlösungswerkes der Menschheit die allerseligste Jungfrau Maria mit Christus derart untrennbar verbunden war, daß das Heil uns aus der innigen Verbindung der Liebe und der Leiden Christi mit der Liebe und den Schmerzen auch der Mutter kam, ist es recht und angebracht, daß durch das christliche Volk, das ja sein göttliches Leben von Christus durch Maria empfangen hat, nach der gebührenden Andacht zum heiligsten Herzen Jesu auch dem liebevollen Herzen der himmlischen Mutter Erweise der Anhänglichkeit, der Liebe, dankbarer und sühnender Gesinnung beigefügt werden."
Diese Enzyklika Pius XII. ergänzt die beiden anderen Rundschreiben über das Herz Jesu: "Annum sacrum" von Leo XIII. (2. Mai 1899) und "Miserentissimus Redemptor" von Pius XI. (8. Mai 1928).