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MUTTER GOTTES
XVI. Maria überwindet die modernen Irrlehren
25 Dass nun diese Liebe besonders bei Gelegenheit dieser außerordentlichen Feier der Unbefleckten Empfängnis der Gottesgebärerin das Ziel aller werden möge, dahin geht Unser sehnlichstes Verlangen. Wie grimmig und wütend wird übrigens auch in unserer Zeit Christus verfolgt und die von ihm ins Leben gerufene heilige Religion! Wie viele schweben in augenscheinlicher Gefahr, durch all die schleichenden Irrtümer verführt zu werden und vom Glauben abzufallen? "Wer also zu stehen glaubt, der sehe zu, dass er nicht falle [36]." Möchten doch alle durch Gebet und demütiges Flehen sich bei Gott verwenden, dass, wer von der Wahrheit abgewichen ist, durch die Fürbitte der Gottesmutter zur Einsicht gelange. Wir wissen ja aus Erfahrung, dass ein Gebet, das aus einem liebenden Herzen strömt und sich auf die Fürsprache der seligsten Jungfrau berufen kann, nie umsonst ist. Die Kirche wird ja freilich auch weiterhin immer wieder mit Kampf und Verfolgung rechnen müssen: "Denn es müssen ja Spaltungen sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden [37]". Aber ebenso gewiss ist es, dass die seligste Jungfrau mit uns ist selbst in den verzweifeltesten Lagen; und so wird sie den Kampf fortsetzen, der in ihrer Empfängnis schon begonnen hat, und jeden Tag wird sich von neuem das Wort bewahrheiten: "Heute hat sie der Schlange den Kopf zertreten [38]."
XVII. Das außerordentliche Jubiläum
26 Damit wir nun durch eine reichlichere Gnadenhilfe von oben instandgesetzt werden, um mit den Ehrungen, mit denen wir im Laufe dieses Jahres Maria mehr als sonst überhäufen, auch die Nachahmung ihrer Tugenden zu verbinden, und damit Wir auch Unseren Wahlspruch, "alles in Christus zu erneuern", um so nachdrücklicher verwirklichen können, haben Wir, wie dies bei Unseren Vorgängern beim Antritt ihres Pontifikates üblich war, beschlossen, einen außerordentlichen Ablass in Form eines Jubiläums dem ganzen katholischen Erdkreis zu gewähren ... [Die Ablassbestimmungen wurden hier weggelassen.]
XVIII. Maria, Stärke und Hoffnung der Kirche
33 Wir beschließen nun, ehrwürdige Brüder, dieses Unser Schreiben mit dem erneuten Ausdruck einer Hoffnung, die ganz fest in Unserem Herzen verankert ist. Wir versprechen Uns nämlich von diesem außerordentlichen Jubiläum, das Wir unter dem Schutz der unbefleckten Jungfrau ausgeschrieben haben, dass recht viele, die sich leider von Jesus Christus getrennt haben, zu ihm zurückkehren werden, und dass in der christlichen Welt die Liebe zur Tugend und Frömmigkeit einen neuen Aufschwung nehme. Als Unser Vorgänger Pius vor 50 Jahren die Unbefleckte Empfängnis als Glaubenssatz verkündete, da schien, wie Wir bereits bemerkt haben, ein außerordentlicher Gnadensegen die ganze Erde zu überfluten; und da die Hoffnung und das Vertrauen auf die jungfräuliche Gottesmutter stieg, so nahm auch die Religiosität des Volkes wie ehedem allerorts erfreulich zu. Warum sollten nicht auch wir uns auf Ähnliches und noch Größeres für die Zukunft Hoffnung machen dürfen? Gewiss sind die Zeiten, in denen wir leben, düster verhangen, so dass auch wir mit dem Propheten sagen können: "Es ist keine Wahrheit, kein Erbarmen und keine Erkenntnis Gottes mehr im Lande, Lästerung, Lüge, Mord und Diebstahl nehmen überhand [39]." Aber seht! Gerade inmitten dieser Sündflut von Übeln erscheint vor unseren Augen dem Regenbogen gleich die gütigste Jungfrau als Friedensstifterin zwischen Gott und den Menschen. "Meinen Bogen setze im ins Gewölk, und er sei zum Bundeszeichen zwischen mir und zwischen der Erde [40]." Mögen die Stürme auch noch so wüten und mag schwarze Nacht den Himmel bedecken, so braucht doch niemand zu bangen. Ein Blick auf Maria, und Gott ist versöhnt und verschont uns. "Der Bogen wird im Gewölke sein, und ich werde ihn schauen und gedenken des ewigen Bundes [41]." "Und es werden fürder nicht sein Wasserfluten, zu vertilgen alles Fleisch [42]." Setzen wir unser ganzes Vertrauen, wie es ja nur billig ist, auf Maria, besonders jetzt, da wir ihre Unbefleckte Empfängnis freudiger verehren als sonst! Dann werden auch wir es inne werden und erfahren, dass sie die mächtige Jungfrau ist, die den Kopf der Schlange mit ihrem jungfräulichen Fuße zertreten hat [43].
34 Zum Unterpfand dieser Himmelsgaben, ehrwürdige Brüder, erteilen Wir euch und euren Gläubigen aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen.
Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 2. Februar 1904,
im 1. Jahre Unseres Pontifikates.
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