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ROSENKRANZ TEIL 3

MUTTER GOTTES

5 Den Ratschluß einer so liebwerten Barmherzigkeit, der in Maria von Gott begonnen und durch Christi Testament bestätigt worden war, sind von Anfang an die hl. Apostel und die ersten Gläubigen zu ihrer größten Freude inne geworden; ebenso haben ihn die ehrwürdigen Väter der Kirche empfunden und gelehrt, und die christlichen Völker haben in jeder Zeitperiode einmütig zugestimmt; ja gerade dies verkündet aufs beredteste, wenn auch jedes Gedächtnis uns schriftliche Denkmal verstummt, eine aus jeder Christenbrust hervorbrechende Stimme. Nirgends anders woher als aus dem göttlichen Glauben stammen sicherlich die Wirkungen, daß wir von einem überwältigendem Antrieb bewegt und auf das sanfteste hingetrieben werden; ferner daß wir nichts Angelegentlicheres und Erwünschteres zu tun haben, als daß wir uns unter ihren Schutz und Schirm flüchten, da wir derselben all unsere Gedanken und Werke, Unschuld und Buße, Nöten und Freuden, Wünsche und Flehen völlig anvertrauen können; endlich daß alle von der süßen Hoffnung und Zuversicht beseelt sind, es werde Gott das, was ihm, wenn wir Unwürdige es vortragen, minder angenehm wäre, durch die Empfehlung seiner heiligsten Mutter im höchsten Grade angenehm und wohlgefällig sein. So groß nun auch der Trost ist, welchen die Seele aus dieser lieblichen Wahrheit schöpft, so groß ist der Schmerz und der Kummer über diejenigen, welche des göttlichen Glaubens bar, Maria weder grüßen noch zur Mutter haben; ferner trauert sie über die Armseligkeit jener, welche zwar den heiligen Glauben besitzen, aber sich dennoch erdreisten, die Guten einer zu großen und übertriebenen Marienverehrung zu beschuldigen, ein Benehmen, durch welches sie den Zartsinn, der den Kindern eigen ist, in hohem Grade verletzen.

6 Bei diesem Ansturme der Übel also, durch welchen die Kirche aufs härteste betroffen wird, begreifen alle frommen Söhne der Kirche leicht, welch heilige Pflicht sie verbindet, Gott ungestümer anzurufen, und auf welche Weise sie dahin trachten sollen, daß dies ihr Flehen die größte Wirksamkeit erlange. Dem Beispiel unserer frommen Väter und Vorfahren nachfolgend, wollen wir zu Maria, Christi Mutter und unsere Mutter, wollen wir anrufen und einmütig beschwören: "Mutter sei mir Armen, Daß sich mög' erbarmen, Der dich auserkoren. Den du uns geboren." [7]

7 Da nun aber von den verschiedenen Formeln und Arten, die göttliche Mutter zu verehren, jenen der Vorzug gebührt, von denen wir wissen, daß sie an sich schon vorzüglicher und auch ihr angenehmer sind, so wollen wir deshalb namentlich auf den Rosenkranz hinweisen und ihn nachdrücklich einschärfen. Diese Gebetsweise führt nach dem allgemeinen Sprachgebrauch den Namen "Kranz" auch deshalb, weil er die großen Geheimnisse Jesu und seiner Mutter, ihre Leiden, Freuden und Triumphe in glücklicher Verschlingung und Verbindung darstellt. Wenn die Gläubigen diese erhabenen Geheimnisse in frommer Erwägung der Reihe nach verehren und betrachten, so können sie für sich eine wunderbare Unterstützung daraus gewinnen, sowohl zur Vermehrung und Sicherung des Glaubens gegen Unwissenheit und Ansteckung der Irrtümer, als auch zur Erhebung und Aufrechterhaltung des Seelenmutes. Denn auf diese Weise werden Gedanke und Gedächtnis des Betenden unter der Leuchte und Führung des Glaubenslichtes in angenehmen Eifer zu jenen Geheimnissen hingezogen, und in ihrer Erwägung versenkt können sie die Wiederherstellung des menschlichen Heiles, dieses unaussprechliche Werk, nicht genug bewundern, welches um so hohen Preis und durch eine Reihe so großer Taten zustande kam. Ja dann wir die Seele von Zuneigung und Dank gegen diese Beweise göttlicher Liebe erfüllt und in großer Hoffnung bestärkt, voll Begierde und Verlangen nach den himmlischen Belohnungen, welche Christus solchen bereitet hat, die sich an ihn durch Nachahmung seines Beispieles und Teilnahme an seinem Leiden anschließen. Dazwischen ergießen sich die Worte des Gebetes, welches der Herr selbst, der Erzengel Gabriel und die Kirche gelehrt haben. Dieses ist voll von Lobsprüchen und heilsamen Anmutungen und trägt, in bestimmter und mannigfacher Ordnung wiederholt und fortgesetzt, immer neue und süße Früchte der Frömmigkeit.



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