Herz-Jesu Franziskaner


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ROSENKRANZ TEIL 1

MUTTER GOTTES

Rundschreiben
"OCTOBRI MENSE"
unseres Heiligen Vaters
Papst Leo XIII.
durch göttliche Vorsehung Papst

An alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten,
Erzbischöfe und Bischöfe der katholischen Welt, welche in Gnade
und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen.

Über den Marianischen Rosenkranz
22. September 1891





Ehrwürdige Brüder !

Gruß und Apostolischen Segen

1 Beim Herannahen des Monats Oktober, welcher der seligsten Jungfrau vom Rosenkranz heilig und geweiht ist, taucht in Uns die angenehme Erinnerung auf, wie angelegentlich Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, in den vorausgehenden Jahren an das Herz gelegt haben, es möchten die Herden der Gläubigen überall, durch Euer Ansehen und Euren klugen Eifer angeregt, ihren frommen Sinn gegen die Mutter Gottes, die mächtige Helferin des christlichen Volkes, steigern und vermehren, zu ihr in diesem ganzen Monat inständig ihre Zuflucht nehmen und sie mit der hochheiligen Rosenkranzandacht um ihre Fürbitte anzurufen, eine Andacht, welche die Kirche, zumal in banger Lage und überaus schwierigen Zeitverhältnissen, stets mit dem gewünschten Erfolge abzuhalten und zu feiern pflegt. Diesen Unseren Willen wollen Wir Euch auch in diesem Jahre wieder sorgfältig kundgeben und dieselben Mahnungen an Euch richten, ja sie noch verdoppeln. Dazu rät und drängt die Liebe der Kirche, deren Nöten, statt eine Erleichterung gefunden zu haben, an Zahl und Bitterkeit von Tag zu Tag drückender werden. Allbekannte Übel beklagen wir: die heiligen Glaubensätze, welche die Kirche bewahrt und lehrt, werden bekämpft und bekrittelt, die Reinheit der christlichen Tugend, für welche sie eintritt, dient zum Gespötte, gegen den geweihten Stand der Kirchenvorsteher, zumeist aber gegen den römischen Bischof, wird auf vielfache Art Verleumdung ausgestreut und Haß geschürt, ja sogar gegen Christus unseren Gott ist mit unverschämter Dreistigkeit und unaussprechlichem Frevel der Ansturm gerichtet, gerade als ob man darauf ausginge, sein göttliches Erlösungswerk, welches niemals eine Gewalt vernichten und zerstören kann, von Grund aus zu vernichten und zu zerstören.

2 Das freilich ist nichts Neues, was der streitenden Kirche begegnet. Denn um die Menschen die Wahrheit zu lehren und zum ewigen Heile zu führen, muß sie, wie Jesus den Aposteln vorausverkündet, alltäglich in den Kampf und Streit ziehen; ja sie, die tatsächlich im Verlaufe der Jahrhunderte mutig bis zum Martertode kämpft, ist über nichts mehr mit Freude und Frohlocken erfüllt, als daß sie ihr Blut mit dem ihres Stifters opfern kann, in welchem die zuverlässigste Hoffnung auf den ihr verheißenen Sieg gründet. - Doch darf man nicht verkennen, mit welch schwerem Kummer gerade die Besten dieser beständige Ringkampf erfüllt. Führwahr, es ist Grund zu großer Betrübnis, daß es so viele gibt, welche die verkehrten Irrtümer und die Frechheiten gegen Gott zum Abfall verleiten und ins Verderben stürzen, so viele, welche gegen jede Religionsform sich gleichgültig verhalten und schon nahe daran stehen, den göttlichen Glauben abzulegen, ja daß sich sogar viele Katholiken finden, welche ihre Religion nur dem Namen nach beibehalten, sie aber nicht in der Tat nach Pflicht und Schuldigkeit üben. Außerdem wird das Gemüt noch viel drückender durch die Erwägung geängstigt und gequält, daß solche betrübende und verderbliche Übel vorzüglich daraus entstanden sind, daß die Kirche in der Regierung der Staaten gar keine Achtung mehr genießt, oder daß man sich ihrem heilsamen Einflusse geflissentlich widersetzt. Dabei tritt die rächende Gerechtigkeit Gottes klar zu Tage, welcher die von ihm abfallenden Völker mit höchst bedauernswerter Geistesblindheit und mit Stumpfsinn straft. Aus diesen Gründen ruft die Lage selbst laut, ja täglich lauter, daß es dringend notwendig ist, daß die Katholiken im Gebet und Flehen zu Gott eifrig ausharren "ohne Unterlass" [1]. Dies soll jeder nicht bloß zu Hause, sondern umso mehr öffentlich tun, indem man sich in den heiligen Tempeln versammelt mit der inständigen Bitte, Gott wolle in seiner allweisen Vorsehung die Kirche "von ungestümen und bösen Menschen" [2] befreien und die zerrütteten Völker durch das Licht und die Liebe Christi zur Vernunft und Einsicht zurückzuführen.

3 Denn es ist führwahr eine über menschlichen Glauben wunderbare Erscheinung! Die Welt geht ihren mühevollen Weg im Vertrauen auf Reichtum, Gewalt, Waffen, Talent; die Kirche aber durchläuft in vollem und sicheren Schritte die Zeitalter, einzig im Vertrauen auf Gott, zu welchem sie im Gebete bei Tag und Nacht Augen und Hände erhebt. Denn obwohl sie alle übrigen menschlichen Hilfsmittel, welche die Zeit infolge der Fürsorge Gottes bietet, klugerweise nicht vernachlässigt, so setzt sie doch nicht auf diese, sondern vielmehr auf Bitten, inständiges Gebet und Flehen zu Gott ihre vornehmste Hoffnung. Hierin hat sie ein Mittel ihren Lebensgeist zu nähren und zu stärken, weil es ihr durch beharrliches Gebet glücklicherweise gelingt, unberührt von den menschlichen Wechselfällen und in beständiger Verbindung mit dem göttlichen Willen, das Leben Christi des Herrn selbst in sich aufzunehmen und in Ruhe und Frieden nachzuleben, fast nach dem Ebenbilde Christi selbst, welchem die schauervollen Todesqualen, die er zum gemeinsamen Besten erduldet hat, durchaus in nichts das ihm eigene seligste Schauen und Genießen vermindert oder entzogen haben.


(c) 2008 Kongregation der Herz-Jesu Franziskaner | trid.herz-jesu-franziskaner@gmx.net

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