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HERZ JESU KULT
Leben der heiligen
Margareta Maria Alacoque
1. Die Jugendzeit
Am 22. Juli 1647 wurde auf dem Schlosse Lautecourd, in Burgund, Frankreich, ein Kind geboren, das bei seiner Taufe nach drei Tagen in der Pfarrkirche Verovres den Namen Margareta erhielt. Die Eltern hießen Claudius Alacoque und Philiberte Lamyn.
Die Heiligen sind die starken, gewaltigen Eichen, an denen das schwache Efeu emporrankt, sich fest hält und auch groß wird. Eine solche feste Eiche im Sturme des Lebens ist Margareta Alacoque geworden. Sie ist ein leuchtender Stern, der für alle Zeiten sein grelles Licht aus dem Feuermeer seiner Gottesliebe hinausleuchten läßt in die kalte Nacht religiöser Gleichgültigkeit. Sie erwärmt, erquickt und belebt die Menschenherzen, daß sie wieder höher schlagen in Liebe und Begeisterung für Gott. Von ihr wollen wir lernen.
Margareta mit dem Zunamen Maria, den sie bei der Firmung aus Liebe zur Gottesmutter selbst sich wählte, war eine jener seltenen Seelen, deren Gott von zartester Jugend an und auf immer die "einzige Liebe" und Herr des Herzens ist. Schon als kleines Kind fand sie im Gebete ihre größte Freude. Ihr Lieblingsaufenthalt war die Schloßkapelle und die Pfarrkirche. So oft man sie suchte, fand man sie dort. Die Händchen andächtig gefaltet, kniete sie unbeweglich vor dem Tabernakel und betete zu ihrem Heilande. Von Natur war sie lebhaft, lernte sich aber sehr frühzeitig überwinden. Täglich betete sie knieend den Rosenkranz, fastete alle Samstage und sobald sie lesen konnte, betete sie täglich die Tagzeiten von der Mutter Gottes. Zur Gottesmutter hatte sie eine ganz besondere Verehrung. Durch Maria richtete Margareta alle ihre Gebete an den lieben Heiland. Obwohl sie von der Verbindlichkeit eines Gelübdes keinen rechten Begriff hatte, betete sie eines Tages bei der Wandlung der heiligen Messe: "Mein Gott, ich weihe Dir meine Reinheit, ich gelobe Dir ewige Keuschheit". Stets floh sie alle Liebkosungen.
Mit acht Jahren verlor sie ihren Vater. Die ganze Sorge für sieben Kinder lag jetzt auf den Mutterschultern. Margareta Maria kam zu den Urbanistinnen nach Charolles, um von diesen Klosterfrauen standesgemäß erzogen zu werden. Mit neun Jahren empfing sie die erste heilige Kommunion, welche bei ihr tiefe Eindrücke und den Ansporn zur kommenden Heiligkeit hinterließ. Eine schwere, vier Jahre dauernde Krankheit brachte Margareta Maria wieder ins elterliche Schloß. Infolge eines Gelübdes wurde das von den Ärzten aufgegebene Kind durch ein Wunder gesund. Ihre Mutter hatte gelobt: "Heilige Mutter Gottes, wenn mein Kind gesund wird, soll es dir geweiht sein!" Infolge ihrer wunderbaren Heilung, ihrer Reinheit, ihrer hervorragenden Geistesgaben und ihrer besonderen körperlichen Schönheit hatte man für sie nur Liebe und Zärtlichkeit, die an ehrfurchtsvolle Verehrung grenzte. Das wurde für sie eine Gefahr zur Gefallsucht. Aber Gott schützte sie vor schwerem Falle. Nur einmal maskierte sie sich mit einer Freundin zu einem Fastnachtsball und das beweinte sie lebenslänglich als ihr größtes Vergehen. Gott prüfte seinen Liebling und Schützling. Margareta kam unter die Obhut von Verwandten, die sie sehr streng hielten und selbst vom Kirchenbesuch gewaltsam abhielten. Sie litt viel, sehr viel, aber sie betete auch viel. Jesus erschien ihr oft und tröstete sie. Sie müsse dies leiden, um ihm gleichförmig zu werden. Nie klagte sie. Die kindliche Teilnahme an der krank gewordenen Mutter vermehrte ihre Leiden. Jahrelang hatte sie keinen Führer als Gott allein. Über die kleinsten Sünden weinte sie in der Einsamkeit laut auf. Alle freie Zeit benutzte sie zum Gebete und zwar erfreute sie sich besonders am betrachtenden Gebete. Tagelang und Nächte hindurch hätte sie vor dem Tabernakel knien können ohne Langweile oder Ermüdung. Ihr Herz glich einer brennenden Wachskerze, die sich verzehrte in Liebe zu Jesus.
2. Kampf und Sieg
Von liebenswürdigem Charakter und schöner Erscheinung war sie von angesehenen und reichen jungen Männern zur Ehe begehrt. Selbst die Mutter vergaß ihres Gelübdes und drängte mit den Verwandten zur Heirat. Margareta hatte einen Kampf zu bestehen, der Ströme von Tränen kostete. Eine Zeit lang schien sie nachzugeben und auf die Bitten und Lockungen der Welt zu hören. Sie schmückte sich, um zu gefallen. Sie suchte Vergnügen und fand sie nicht. Einer verfolgte und verwundete mit den Pfeilen seiner Liebe ihr Herz. Es war Jesus. Er war eifersüchtig auf ihre Liebe. Eines Abends legte sie das Festkleid ab. Da stand der Erlöser vor ihr, mißhandelt und blutend wie bei der Geißelung und sagte: "Sieh her, was deine Eitelkeit mir angetan hat. Du verlierst die kostbare Zeit, über die du in der Todesstunde Rechenschaft geben mußt. Mir wirst du untreu! Mich verfolgst du, nachdem ich dir so deutliche Beweise meiner Liebe gegeben und dich mir gleichförmig machen wollte".
Diese Worte machten einen erschütternden Eindruck auf das unverdorbene Gemüt. Sie entschloß sich zu einer harten Sühne. Sie umgürtete sich mit einem knotigen Tau so fest, daß sie kaum atmen, noch Speise zu sich nehmen konnte. Dies tat sie so lange, bis der Gürtel in das Fleisch gedrungen war und nur unter heftigen Schmerzen entfernt werden konnte.
Die Lebensgeschichte der Heiligen war ihre einziger Lektüre. Sie sah, daß die Heiligen entweder nie gesündigt oder außerordentliche Buße getan haben. Den Armen gab sie ihren letzten Besitz. Gerne unterrichtete sie Kinder in den Wahrheiten der Religion und pflegte trotz anfänglichem Ekel häufig die Kranken. Oft erschien ihr der Heiland und gab ihr Anweisung, wie sie zu leben habe. Gegen ihr Verlangen, ins Kloster zu gehen, erhoben die Angehörigen fortwährende Einsprache und vereitelten es. Endlich nach vielen Jahren des Kampfes, des Gebetes und der strengsten Bußübungen erhielt sie die Erlaubnis zum Ordenseintritt.
3. Im Kloster
Papst Clemens X. hatte 1670 ein Jubiläum ausgeschrieben. Von einem Franziskaner-Mönch wurde dasselbe von Verovres gepredigt. Bei diesem Anlasse machte Margareta Maria eine Lebensbeichte. 1671 reiste sie am Feste der heiligen Magdalena von Pazzi mit ihrem Bruder Chrysostomus nach Paray-le-Monial und trat am 25. Mai in den Orden der Heimsuchung des heiligen Franz von Sales. Der Bischof von Puy schrieb 1657 von diesem Orden: "Die Hauptaufgaben dieser Ordensfrauen sind, die beiden Lieblingstugenden des heiligsten Herzens Jesu, die Sanftmut und die Demut nachzuahmen. Das sind die Grundsterne ihres Ordens, deshalb verdienen sie das Vorrecht, Töchter des heiligsten Herzens Jesu zu sein". Nicht ohne Opfer, aber glücklich waren für Margareta Maria die Tage des Noviziates. Stetsfort blieb sie in vertrautestem Verkehr mit dem göttlichen Heilande. Ihre Novizenmeisterin war Schwester Anna Franziska Thouvant. Ohne Erlaubnis ihrer Oberin nahm sie nie eine Bußübung vor. Der Gehorsam ging ihr über alles.
Der 25. August 1671 "war der Tag ihrer Verlobung", wie sie selbst sagte. An diesem Tage wurde sie eingekleidet. Immer mehr wuchs ihre herrliche Gottesliebe, der sie alles opferte, so z.B. eine heftige natürliche, wenn auch reine Zuneigung zu einer Mitnovizin. Im Kloster verrichtete sie die geringsten häuslichen Arbeiten. Um sich abzutöten, kämpfte sie heroisch acht Jahre lang gegen einen Ekel, den sie vor dem Käse hatte. Schließlich wurde ihr wegen ihrer Gesundheit der Käsegenuß verboten. Margareta Maria Alacoque enthielt sich stets aller geistigen Getränke. Sie war ihr Leben lang Totalabstinentin und ist auch als solche ein leuchtendes Vorbild der Entsagung aus Liebe zu Gott. Vom Himmel aus ist sie jetzt eine mächtige Fürbitterin und Schutzpatronin aller katholischen Abstinenten.
Mit der Menge ihrer Entsagung wuchsen ihre Gottesliebe und damit die himmlischen Tröstungen und Gnadenerweise so sehr, daß sie einst ausrief: "Herr, mein Herz ist überfüllt! vergrößere es oder halte diesen Überfluß zurück!" Sträubte sie sich, ein Opfer zu bringen, so erschien ihr der leidende Heiland mit seinen Wunden, mahnte sie zur Ausdauer und verhieß ihr seine Kraft.
Der 6. November 1672 war der Tag ihrer feierlichen Gelübde. Am Morgen nach der heiligen Kommunion ritzte sie sich einen Finger auf und schrieb mit ihrem Blute:
"Ich elendes, unwürdiges Nichts erkläre, daß ich mich meinem Gott ergeben und opfern will, um alles zu tun, was er von mir verlangt, und mich ganz seinem göttlichen Wohlgefallen zu überlassen. Ich verlange für mich nichts, als Eifer für seine Ehre und seine reine Liebe, der ich mich für immer hingebe. - Von nun an gehöre ich meinem Geliebten als seine Sklavin, seine Magd, sein Geschöpf, aber zugleich seine unwürdige Braut, Schwester Margareta Maria, gestorben für die Welt. Alles von Gott, nichts von mir; alles für Gott, nichts für mich."
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