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STUDIUM
Munda cor
Vor dem Evangelium betet der Priester in der Mitte des Altares tief gebeugt um Reinigung: "Reinige mein Herz und meine Lippen, allmächtiger Gott. Wie Du einst die Lippen des Propheten Isaias mit glühenden Kohlen gereinigt hast, reinige auch mich in Deinem gnädigen Erbarmen, und laß mich so Dein heiliges Evangelium würdig verkünden." Wir werden erinnert an die erhabene Szene der Prophetenberufung in der Vision des Isaias: "Vor der Stimme des Rufenden erbebten die Pfosten der Türschwellen, und der Tempelraum füllte sich mit Rauch. Da sprach ich: ‚Wehe mir, ich bin verloren; denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich und wohne unter einem Volke mit unreinen Lippen! Denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben meine Augen gesehen.' Da flog zu mir einer der Seraphim heran, in seiner Hand einen glühenden Stein, den er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Mit ihm berührte er meinen Mund und sprach: ‚Siehe, dies hat deine Lippen berührt, gewichen ist deine Schuld, deine Sünde gesühnt.' Und ich hörte die Stimme des Herrn, der da sprach: ‚Wen soll ich senden, wer wird für uns gehen?' Und ich erwiderte: ‚Hier bin ich, sende mich!'" (Is 6,4 - 8)
Die Evangelienseite
In der einfachen Messe trägt der Ministrant, während der Priester das Munda cor betet, das Missale auf die linke Seite des Altares (= Evangelienseite). Die Evangelienseite birgt in sich einen schönen Sinn: Dort, wo der Kirchenbau nach Osten hin ausgerichtet ist, weist sie in Richtung Norden. Aus diesem Grund steht das Meßbuch auf der Evangelienseite auch immer schräg, um so die Ausrichtung nach Norden zu unterstreichen. - Der Norden ist die Himmelsrichtung, aus der die Sonne nie scheint, die Seite der Finsternis. Wenn das Evangelium symbolisch nach Norden hin verkündet wird, dann wird dadurch veranschaulicht, daß das Evangelium Licht ist, welches leuchtet in der Finsternis (vgl. Joh 1,5). Im feierlichen Hochamt wird dies zusätzlich unterstrichen durch die Evangeliumsprozession in Richtung Norden und durch die brennenden Kerzen der Akolythen.
Das Kreuzzeichen
Der Priester bezeichnet den Beginn des Evangeliums mit einem Kreuz, und auch die Gläubigen bekreuzigen sich an Stirn, Mund und Brust. Dieser Ritus mag unsere Bereitschaft ausdrücken. Das Wort Gottes soll unsere Gedanken formen, auf unseren Lippen wiederklingen und in Liebe im Herzen bewahrt und erwogen werden. Auch das Stehen beim Evangelium ist Ausdruck wacher Aufmerksamkeit: Der Christ drückt aus, "daß er sich zusammengenommen hat. Er ist wach, aufmerksam, gespannt. Und er ist bereit. Denn wer steht, kann sofort auf und davon gehen; kann ungesäumt einen Auftrag ausführen; mit einer Arbeit beginnen, die ihm zugewiesen wird. Das ist die andere Seite der Ehrfurcht vor Gott. Im Knien war es die anbetende, in Sammlung verharrende; hier die wache, tätige. Solche Ehrfurcht hat der aufmerksame Gehilfe, der gerüstete Kämpfer. Sie offenbart sich im Stehen." (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen, Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1985, S. 19)
Der Kuß
Am Ende küßt der Priester den Beginn des Evangeliums, indem er spricht: "Durch die Worte des Evangeliums mögen getilgt werden unsre Sünden." Dieser Kuß ist Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Wort Gottes, und das begleitende Gebet spricht von der Überzeugung, daß dem geoffenbarten Gotteswort selbst eine exorzistische, sündentilgenden und reinigende Kraft zukommt: Wo das Licht leuchtet, dort wird die Finsternis vertrieben! "Gib darum acht, daß nicht das Licht, das in dir ist, Finsternis sei." (Lk 11,35) Jesus selbst hat in der Wüste dem Satan das Wort der Schrift entgegengehalten, denn "lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes doppelt geschliffene Schwert; es dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark, und ist Richter über Gedanken und Regungen des Herzens." (Hebr 4,12)
Die Opferung
Bevor wir die einzelnen Gebete und Vollzüge der Opferung betrachten, ist es lohnend, einen Blick auf das Ganze zu werfen, denn der Aufbau der Opferung zeugt von einer großen Schönheit und inneren Geschlossenheit vieler zu einer harmonischen Einheit zusammengewachsener Elemente.
Ganz zu Beginn steht ein feierliches Oremus. Normalerweise folgt auf jedes Oremus eine Oration. An dieser Stelle allerdings kommt gleich danach ein gesungener oder rezitierter Psalmvers (Offertorium) sowie mehrere durch stille Gebete begleitete Riten. Die erste eigentliche Oration ist erst wieder die Secret ganz am Ende der Opferung. Nach einer Erklärung des Papstes Innocens III. (1198-1216) gehörten das Oremus zu Beginn und die Secret ursprünglich tatsächlich zusammen. Noch heute bilden sie gleichsam den Rahmen für die Handlung der Opferbereitung, welche ursprünglich wohl zwischen diesem Oremus und der Seckret still vollzogen wurde. Im Laufe der Zeit wurde sie mehr und mehr angereichert bis hin zur heutigen Gestalt. Auffällig ist, daß in den wechselnden Texten der Secret gewöhnlich der Opfergedanke sehr stark ausgedrückt wird, wie beispielsweise am Pfingstmontag, wo es heißt: "Wir bitten Dich, o Herr: heilige in Deiner Güte diese Gaben; nimm an dieses geistige Opfer und mache uns selbst so zur vollendeten Opfergabe für Dich."
Das Opfer der Kirche
In den Riten und Gebeten der Opferung finden wir große spirituelle und theologische Reichtümer. Ganz im Mittelpunkt des heiligen Vollzuges steht das Opfer der Kirche, welches immer unter einem zweifachen Aspekt betrachtet wird: Primär handelt es sich um die materiellen Opfergaben von Brot und Wein, die allein durch die Hände des geweihten Priesters dargebracht werden und die schließlich in den Opferleib und das Opferblut Christi verwandelt werden. Zugleich aber wird die äußere Opfergabe zum Bild und Ausdruck eines gleichsam existentiellen Opfers, nämlich der lebendigen Opfergabe des gläubigen Volkes, die dargebracht wird kraft des allgemeinen Priestertums aller Getauften. Dieser existentielle Aspekt des Opfers wird zunächst symbolisch dargestellt im Ritus der Opferung des Brotes und des Weines unter Beimischung eines Wassertropfens bevor er dann ausdrücklich genannt wird im Gebet In spiritu humilitatis.
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