Herz-Jesu Franziskaner


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LITURGIE TEIL 5

STUDIUM

Der Weg zum Altar

Auch den Zutritt zum Altar dürfen wir verstehen als liturgische Handlung von Bedeutung. Schon in der schlichtesten Form der Meßfeier nimmt er die Form einer geordneten Prozession an und gewinnt damit etwas Erhabenes und Edles. Der äußere Weg ist Bild für einen inneren Weg: Mehr noch als auf die äußere Präsenz kommt es auf die wache innere Teilnahme am eucharistischen Opfer an, damit von uns nicht das Wort gilt, welches der Herr den Pharisäern vorhielt: "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern von mir." (Mk 7,6)

Zugleich also mit dem äußeren Zutritt des Priesters sollen auch wir innerlich hinzutreten, gleichsam mit dem Herzen hinaufziehen zum Altar. Ob wir dies gut verstanden haben, können wir daran erkennen, welchen Wert wir den Augenblicken der Sammlung, des Schweigens und inneren Gebetes vor der Meßfeier beimessen. Wie schade wäre es, wenn die 10 Minuten vor Beginn der Messe einfach plaudernd vor der Kirchentür oder in ähnlicher Haltung wie im Wartezimmer des Zahnarztes auf bequem gepolsterten Kirchenbänken verbracht würden, oder wenn sie einfach dadurch verloren gingen, daß die Zeit so geplant wird, als müsse man für jede Minute, die man zu früh kommt, bezahlen! Schon hier mag unser innerer Zutritt zum Altar beginnen, indem wir das, was wir beim Überschreiten der Schwelle der Kirche und beim Weihwassernehmen symbolisch ausgedrückt haben, in innerer Sammlung fortsetzen: Je ruhiger die Seele wird, desto freier wird sie sich erheben. Introibo ad altare Dei, ad Deum, qui laetificat juventutem meam!



Das Stufengebet
Die Altarstufen
Die Bezeichnung ‚Stufengebet' rührt von den Stufen her, auf denen gewöhnlich der Altar errichtet ist. Die Deutungen dieser Stufen sind vielfältig. Sofern es drei Stufen sind, mögen sie betrachtet werden als Hinweis auf den Aufstieg zu Gott durch die drei göttlichen Tugenden: Wie zu Beginn des Rosenkranzes nahen wir uns dem Herrn mit der demütigen Bitte um einen lebendigen Glauben, eine starke Hoffnung und eine glühende Liebe.
Die grundlegendste Bedeutung der Altarstufen dürfte aber die sein, den Berg Golgotha darstellen zu wollen, denn er ist der Ort des Kreuzesopfers, welches in der Messe auf unblutige Weise gegenwärtig gesetzt wird. Schon im Alten Bund spielen Berge als Orte der Nähe Gottes und als Opferstätten eine große Rolle. Abraham brachte sein Opfer dar auf dem Berg Moria: "Und Gott sprach: ‚Nimm deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, den Isaak, begib dich in das Land Moria und bringe ihn dort auf einem der Berge, den ich dir noch zeigen werde, zum Brandopfer dar!'" (Gen 22,2) Nach alten Überlieferungen könnte der Berg Moria durchaus identisch sein mit dem Berg Golgotha, auf dem der Herr selbst sein Erlösungsopfer dargebracht hat. Wie Isaak ist Er der einzig geliebte Sohn, der selbst das Holz emporgetragen hat, welches Ihm zum Opferaltar werden sollte. Noch heute sieht man in Jerusalem die Spalte im Felsen, die beim Tode Jesu entstanden ist und die hinabreicht zu dem Ort, an welchem - ebenfalls nach alten Überlieferungen - Adam sein Grab gefunden haben soll. Daher rührt der Brauch, am Fuß des Kruzifixes den Adamsschädel darzustellen. Lassen wir uns zu Beginn der Messe hineinnehmen in die großen Zusammenhänge des Erlösungsmysteriums: Am Fuß von Golgotha demütigt sich der alte Adam zum Ausdruck seiner Sehnsucht nach den Früchten der Erlösung.
Die symbolische Deutung des Altares als Golgothaberg wird unterstrichen durch die Gegenstände, die sich auf dem Altar befinden: Das Altarkreuz erinnert an das blutige Opfer des Herrn, die drei linnenen Altartücher bedeuten die Grabtücher Jesu, und die Kerzen symbolisieren das Licht der Auferstehung.
Über die Bedeutung des Em-porsteigens schreibt Romano Guardini: "Das Unten ist nun einmal von Wesen her Gleichnis für das Geringe, Schlechte; das Droben Gleichnis für das Edle, Gute, und jedes Emporsteigen spricht vom Aufstieg unseres Wesens zum ‚Allerhöchsten', zu Gott ... Darum führen die Stufen von der Straße zur Kirche. Sie sagen: Du gehst hinauf, zum Haus des Gebetes, näher zu Gott. Vom Schiff der Kirche wieder Stufen zum Chor; sie sagen: Nun trittst du ins Allerheiligste ein. Und Stufen tragen zum Altar empor. Wer die hinaufgeht, dem sagen sie, wie einst Gott zu Moses auf dem Berge Horeb: ‚Ziehe die Schuhe von den Füßen, denn die Stätte, darauf du stehst, ist heiliges Land.' (Ex 3,5) Der Altar ist Schwelle der Ewigkeit. Wie groß ist das! Nicht wahr, nun wirst du die Stufen wissend steigen? Wissend, daß es emporgeht? Wirst alles Niedrige drunten lassen, und wirklich ‚zur Höhe' steigen? Aber was soll man da viel sagen. Es muß dir innerlich klar werden, damit die ‚Aufstiege des Herrn' sich in dir ereignen, das ist alles." (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen, Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1985, S. 26 f.)
Bevor nun der Priester zum Altar emporsteigt, spricht er im Wechsel mit den Ministranten das Stufengebet. Es besteht aus zwei Teilen: dem Psalm 42 und dem Confiteor.




Kreuzzeichen

Das Stufengebet wird eröffnet durch das Kreuzzeichen. Schon hier lassen wir uns vom Kreuzesopfer erfassen. Überdies deuten wir das Kreuzzeichen als kleines Glaubensbekenntnis: Mit dem Mund bekennen wir den Glauben an den dreifaltigen Gott, während die Hand das Kreuz zeichnet zum Ausdruck des Glaubens an die Menschwerdung Gottes und die Erlösung durch das Kreuz.

Der Psalm ‚Judica'

Der Psalm 42 ist ohne Zweifel besonders gut geeignet, den Gang zum Altar zu deuten. Der vierte Vers wird gebetet als Antiphon: "Introibo ad altare Dei, ad Deum, qui laetificat juventutem meam." - "Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut." Gemeint ist hier nicht die biologische Jugend des Leibes, sondern die Jugend der Gnade. In der Taufe sind wir wiedergeboren zum neuen Leben der Gnade. Der heilige Ambrosius sagt einmal: "Du hast abgelegt das Alter der Sünde und angelegt die Jugend der Gnade." Die Gnade schenkt uns neues Leben in ewiger Jugend, die hineinführt und gipfelt im ewigen Leben. Was den Menschen altern läßt, ist die Sünde. "Wie kostbar ist Deine Huld, o Gott! Im Schatten Deiner Flügel bergen sich die Menschen. Am Reichtum Deines Hauses laben sie sich, mit dem Strom Deiner Wonnen tränkst Du sie. Ja, bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir Licht." (Ps 36,8-11)
Wenn wir versuchen, eine kurze inhaltliche Deutung des Psalmes 42 im Hinblick auf die innere Gliederung der Messe zu geben, so ist dabei die Begrenztheit der deutschen Übersetzungen sehr hinderlich.

Drei Wege

Die Lehrer des geistlichen Lebens sprechen von drei Wegen, die der Mensch zur Vereinigung mit Gott gehen muß: dem Weg der Reinigung, dem Weg der Erleuchtung und dem Weg der Einigung. Entsprechend diesen drei Wegen können wir in groben Zügen den Aufbau der ganzen Messe deuten: Zunächst steht ganz und gar der Gedanke der Reinigung im Vordergrund, während die Lesungen hauptsächlich der Erleuchtung dienen. Höhepunkt der Messe ist die Wandlung und die sakramentale Vereinigung in der heiligen Kommunion. Diese drei Wege und damit auch die innere Gliederung der Messe finden wir vorgezeichnet im Psalm 42: Das "Judica me Deus..." drückt den Wunsch nach Reinigung und Abgrenzung von der gottfremden Welt aus. Der "homo iniquus et dolosus" ist der ‚alte' Mensch, der nach Erlösung ruft. Den Weg der Erleuchtung finden wir ausgedrückt in der Bitte: "Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt." Das Ziel dieses Aufstieges ist die Einigung: "Dort darf ich zum Altare Gottes treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut."


(c) 2008 Kongregation der Herz-Jesu Franziskaner | trid.herz-jesu-franziskaner@gmx.net

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