Herz-Jesu Franziskaner


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LITURGIE TEIL 4

STUDIUM

Die Pforte der Kirche

Wenn wir in die Kirche eintreten, dann will uns die Schwelle der Kirche ins Bewußtsein rufen, daß wir auch innerlich eine Schwelle überschreiten sollen: vom Profanen ins Sakrale, von der Welt hinein ins Heiligtum. Die Welt lassen wir dabei ganz bewußt ‚draußen', oder besser gesagt ‚drunten'. Es tut so sehr not, im Bewußtsein der Christen wieder die Ehrfurcht vor der Kirche als heiligem Ort zu verankern!
Die Pforte "will mehr, als nur einen nüchternen Zweck erfüllen, sie redet. Wenn du durch ihren Rahmen gehst, und bist innerlich wach, dann fühlst du: Nun verlasse ich das Draußen; ich trete in ein Inneres ein. Draußen ist die Welt ... Durch die Pforte treten wir in ein Drinnen ein, vom Markt geschieden, still und geweiht: ins Heiligtum ... Und wenn einer durch sie hindurchgeht, dann spricht sie zu ihm: Laß draußen, was nicht hereingehört, Gedanken, Wünsche, Sorgen, Neugierde, Eitelkeit. Alles, was nicht geweiht ist, laß draußen. Mach dich rein, du trittst ins Heiligtum. Wir sollten nicht eilfertig durch die Pforte laufen! Sollten mit Bedacht hindurchgehen und unser Herz auftun, damit es vernehme, was sie spricht." (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen, Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1985, S. 28)
Bei der Konsekration der Kirche schlug der Bischof zur feierlichen Öffnung der Pforte dreimal mit seinem Stab gegen die geschlossene Tür und betete dabei den Psalmvers: "Erhebt eure Häupter, ihr Tore, erhebt euch, ihr uralten Pforten, daß der König der Herrlichkeit einziehen kann! ‚Wer ist denn der König der Herrlichkeit?' Der Herr, der Starke, der Held! Der Herr, der Held im Kampf! Erhebt eure Häupter, ihr Tore, erhebt euch, ihr uralten Pforten, daß der König der Herrlichkeit einziehen kann! ‚Wer ist denn der König der Herrlichkeit?' Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit! (Ps 24,7 - 10)
Während wir den steinernen Gottestempel betreten, erinnern wir uns, daß der Herr selbst Einlaß begehrt in das lebendige Heiligtum unserer Seele: "Höre den Ruf. Was hilft dir das Haus von Holz und Stein, wenn du nicht selbst lebendiges Haus Gottes bist? Was hilft es dir, wenn die Tore sich hoch wölben, und schwere Flügel sich voneinander tun, aber drinnen, in dir, öffnet sich nichts, und der König der Herrlichkeit findet keine Stätte, darin Er wohnen könne?" (Romano Guardini, ebd. S. 30)
Gleich beim Betreten des Gotteshauses vollziehen wir sodann zwei Gesten, die uns ebenfalls in rechter Weise einstimmen wollen: Wir nehmen Weihwasser und beugen das Knie.



Das Weihwassernehmen

Schon von der natürlichen Symbolik des Wassers her ist es leicht verständlich, wie das Weihwassernehmen zum Ausdruck des Verlangens nach Reinigung wird. Dabei geht es selbstverständlich nicht um die Reinigung von äußerem Staub und Schmutz, sondern um die Reinigung von jenem Schmutz, der unsere Seelen befleckt: die Sünde.
Beim letzten Abendmahl hat Christus den Aposteln die Füße gewaschen: "Wer ein Bad genommen, braucht sich nur die Füße zu waschen, er ist ja ganz rein." (Joh 13,10) Das Bad deuten wir auf das Bußsakrament. Im Weihwassernehmen mag sich unsere Sehnsucht ausdrücken, ähnlich wie die Apostel auch noch gereinigt zu werden vom Staub der Straße, von den kleinen Sünden und Unvollkommenheiten des Alltags, um so volle Gemeinschaft zu haben mit dem Licht.
Auch sehen wir einen Bezug zu zwei Riten, die eine auffallende Ähnlichkeit miteinander haben, nämlich die Kirchweihe und der Taufe: So, wie am Tag der Kirchweihe die Kirche mit Weihwasser besprengt und der Altar gewaschen wurde, so wurden auch wir zu geweihten Gottestempeln durch die Waschung mit dem Wasser der Taufe. Damals geschah unsere erste und grundlegende Reinigung. Durch sie sind wir eingetaucht und gereinigt im Blut Christi, wiedergeboren zum neuen Leben der Gotteskinder und konsekriert als Tempel des Heiligen Geistes: "Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? Ihn habt ihr von Gott, und nicht euch selber gehört ihr. Denn ihr wurdet erkauft um einen Preis. So verherrlicht denn Gott in eurem Leibe!" (1 Kor 6,19 f.) - Der (alte) Ritus der Kindertaufe beginnt bekanntlich ebenfalls an der Schwelle der Kirche. Hier bezeichnet der Priester den Täufling mit dem Kreuzzeichen und spricht dabei: "Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn und auf das Herz. Ergreife den Glauben an die himmlische Lehre und wandle so, daß du ein Tempel Gottes sein kannst." (Ritus der Kindertaufe)
Übrigens dürfen wir in diesem Zusammenhang auch das sonntägliche Asperges verstehen als feierlichere Form des Weihwassernehmens zu Beginn der Messe: "Besprenge mich, o Herr, mit Ysop, und ich werde rein; wasche mich, und ich werde weißer als Schnee."
"Das Weihwassertröpfchen, das vor dem Sonntagshochamt auf uns niederfällt, will uns eine Predigt halten am Tor der heiligen Feier des Opfers Jesu Christi: Sei stolz, daß du kommen darfst, du getaufter Christ, und danke dem, der dich gerufen hat. Sei demütig, du sündiger Christ, und ehe du kommst, bitte den, der allein das Taufkleid deiner Seele wieder zu waschen vermag, und es wird weißer als der Schnee!" (Balthasar Fischer, Was nicht im Katechismus stand, Paulinus-Verlag Trier 1953, S. 50)



Die Kniebeuge

Vor dem Herrn im Tabernakel beugen wir die Knie. Vom äußeren Akt her ist die Kniebeuge ein ‚Sich klein machen'. Sie drückt einen inneren Akt der Anbetung aus und fördert in uns zugleich die Haltung der Ehrfurcht.
Alles im Hause Gottes soll heilige Ehrfurcht atmen. Wie wir sehen werden, ist die ganze Liturgie der heiligen Messe gleichsam durchsetzt von feinen Zeichen der Ehrfurcht, so daß man sie nicht zu Unrecht eine Schule der Ehrfurcht nennt. Schließlich will auch das Schweigen, welches in unseren Kirchen herrschen sollte, ein Zeichen der Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Ortes sein!

Der Zutritt zum Altar

Wie wir bereits in den vorhergehenden Artikeln betrachtet haben, beginnt die Feier der heiligen Messe nicht erst am Altar, sondern sie wird eingeleitet durch eine Vielfalt wertvoller vorbereitender Riten. Dazu gehört auch das feierlich entfaltete Introibo ad altare Dei (Kehrvers aus dem Stufengebet: "Zum Altare Gottes will ich treten!") im äußerlich vollzogenen Zutritt zum Altar. Wie grundsätzlich bei allen gottesdienstlichen Riten wird es nicht genügen, diesen Zutritt als rein äußeres Geschehen zu deuten, sondern wir wollen zeigen, wie sich darin innere Haltungen ausdrücken und wie durch den bewußten Vollzug diese Haltungen zugleich in uns hervorgebracht und gefördert werden.

Die Sakristeiglocke

Sobald der Priester die Sakristei verläßt, wird die Glocke geläutet. Sie ruft gleichermaßen zur Aufmerksamkeit wie auch zur Ehrfurcht. Die Glocke ist ein Ehrenzeichen. Wir kennen andere Anlässe, bei welchen feierliches Glockengeläut bedeutende Ereignisse unterstreicht: Kam etwa der Bischof zur Visitation in eine Pfarrei, dann war es früher üblich, ihm zur Ehre beim Einzug ins Dorf die Glocken zu läuten.

Wenn die Gläubigen sich beim Glockenzeichen zu Beginn der Messe erheben, dann vollziehen sie damit denselben Akt der Höflichkeit, der einmal in jeder Dorfschule üblich war, wenn der Lehrer das Klassenzimmer betrat. Auch das Aufstehen bezeugt Aufmerksamkeit und Ehre!
Ein Beispiel soll uns verdeutlichen, wem die Ehre des Glockenzeichens und des Aufstehens gilt: In einem Dorf wurde zum Fest des heiligen Antonius eine feierliche Prozession gehalten. Man nahm einen kleinen Esel, befestigte auf seinem Rücken ein schön verziertes Gestell und befestigte darauf eine Reliquie des heiligen Antonius. Als nun der Esel durch das Dorf zog, wurden alle Glocken geläutet und die Leute am Weg verneigten sich tief, sobald der Esel in ihre Nähe kam. Was mag dieser Esel nun gedacht haben? Ob er wohl meinte, die Ehre gelte ihm? - Genau so wie in unserem Beispiel gelten alle Zeichen der Ehrung, die dem Priester im Laufe der Messe erwiesen werden, nicht seiner Person, sondern demjenigen, den er vertritt. Der Priester wäre wirklich ein Esel, wenn er dies anders sehen würde!

Deshalb also erheben wir uns beim Einzug des Priesters und erweisen ihm die Ehre, weil wir mit den Augen des Glaubens in ihm den Mann Gottes sehen und durch ihn hindurch auf den schauen, den er vertritt.



(c) 2008 Kongregation der Herz-Jesu Franziskaner | trid.herz-jesu-franziskaner@gmx.net

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