Herz-Jesu Franziskaner


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


LITURGIE TEIL 3

STUDIUM

Zeichen der Einheit

Im Buch Genesis wird berichtet, daß einst alle Welt nur eine Sprache redete. Da sagten die Menschen zueinander: "Wir wollen uns einen Namen machen, damit wir nicht in alle Welt zerstreut werden!" (Gen 11,4) Und als sie im Begriff waren, nach den Sternen zu greifen, da stieg Gott hinab nach Babel und verwirrte ihre Sprache, "daß keiner mehr die Rede des andern versteht" (Gen 11,7).
Im Vergleich dazu betrachten wir das Pfingstereignis: In der Geburtsstunde der jungen Kirche hat Gott über die Apostel seinen Geist ausgegossen, von dem das Buch der Weisheit (1,7) sagt, daß er den Erdkreis erfüllt und jede Sprache kennt (vgl. Introitus von Pfingsten). Jeder hörte die Apostel in seiner eigenen Sprache reden: "Als sich nun dieses Brausen erhob, lief die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn es hörte ein jeder in seiner eigenen Sprache sie reden. Sie gerieten außer sich und sagten voll Staunen: ‚Sind sie den nicht alle, die da reden, Galiläer? Wie aber hören wir, ein jeder von uns in der eigenen Sprache, in der wir geboren sind?'" (Apg 2,6 - 8)
In der Feier der Liturgie findet das Pfingstwunder einen Nachklang durch die Kultsprache: Sie ist sichtbarer Ausdruck der unitas Ecclesiae, der Einheit der Kirche. Wenn man auch draußen in der Welt viele Sprachen spricht, so gibt es doch im Heiligtum nur eine Sprache. Immer wieder ist es beeindruckend zu hören, wie einst Flüchtlinge und Reisende bei aller Fremdheit ferner Länder in der Liturgie ein Stück Heimat gefunden haben. Die Sprache der Liturgie ist dem Katholiken gleichsam die Muttersprache im Heiligtum. Wie wichtig wäre gerade heute wieder solch ein äußeres Zeichen der Einheit!

Heiliger Schleier

In der Ostkirche befindet sich vor dem Allerheiligsten und dem Altar eine Ikonenwand. Diese sogenannte Ikonostase hat einen doppelten Sinn: Einerseits will sie verhüllen, indem sie das Heilige dem Blick der Gläubigen entzieht. Gleichzeitig will sie aber auch enthüllen, denn indem sie das verbirgt, was das leibliche Auge sowieso nicht sehen kann, hilft sie dem Gläubigen, in eine tiefere Wirklichkeit einzudringen, welche sie wiederum im sichtbaren Bild der Ikone darzustellen versucht.
Ganz ähnlich verhält es sich mit der Kultsprache der lateinischen Liturgie. Was in der heiligen Messe geschieht, können wir nicht begreifen. Es ist ein Mysterium, ein Glaubensgeheimnis, das die Fassungskraft unseres menschlichen Verstandes übersteigt. So wenig wie das Auge in die Sonne blicken kann, ohne zu erblinden, so wenig kann unser kleiner Verstand begreifen, was hier Großes geschieht.
Die lateinische Sprache ist wie ein heiliger Schleier, der einerseits die heiligen Mysterien schützend verhüllt, sie andererseits aber auch enthüllt, indem sie den Menschen darauf stößt, daß hier etwas geschieht, was er nicht verstehen kann. Dies ist ein psychologisches Moment von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
Wir erleben nun seit 30 Jahren eine Liturgie, die sich sowohl sprachlich als auch durch den Gebrauch des Mikrophons auszeichnet durch eine maximale verbale Verständlichkeit. Es mag erlaubt sein, die Frage zu stellen, ob dies wirklich der inneren Anteilnahme des gläubigen Volkes förderlich war. Ob nicht bei Gewöhnung an die Feier der heiligen Messe in der Landessprache die große Gefahr besteht, daß die Menschen meinen, sie würden alles verstehen, sie tatsächlich aber bei einem ganz oberflächlichen Verständnis stehen bleiben?
Diesen großen Vorteil hat gewiß die lateinische Kultsprache: Sie stößt uns gleichsam darauf, daß hier etwas geschieht, was wir nicht verstehen! Nur demjenigen erschließt sich der innere Zugang zum Geheimnis der heiligen Messe, der versteht, daß man sie nicht verstehen kann. Die Kultsprache möchte uns in die Tiefe führen.

Würde der Sprache

Im frühen Christentum war das Bewußtsein lebendig, daß das Heilige geschützt und vom Bereich des Profanen abgesondert werden muß. Auch heute noch scheint es sehr angemessen zu sein, das heiligste aller Mysterien in einer heiligen Sprache zu vollziehen und nicht in der Sprache, die man auf der Straße spricht. Auch Jesus hat - der Gewohnheit seiner Zeit folgend - zum Psalmengebet nicht die aramäische Umgangssprache, sondern die hebräische Sprache der heiligen Schriften verwendet.
In der frühen Kirche galten vor allem die drei Sprachen als heilig, in denen die Inschrift des Kreuzes verfaßt war: "Es war geschrieben auf hebräisch, lateinisch und griechisch." (Joh 19,20)
Schließlich hat die lateinische Sprache den großen Vorteil der Zeitlosigkeit. Sie ist eine "vollendete" Sprache. Während unsere modernen Sprachen sich Jahr für Jahr ändern, kennt die lateinische Sprache - zumindest im liturgischen Gebrauch - schon seit Jahrhunderten keine gravierenden Änderungen und keine einschneidenden Rechtschreibreformen mehr! Dadurch entstehen bedeutende Vorteile: Wir können heute noch ganz genau dieselben Gebete sprechen, welche die Päpste in den ersten Jahrhunderten in Rom gebetet haben! Wir können mit genau denselben Worten beten, mit welchen die Heiligen alle Jahrhunderte hindurch gebetet haben! Wir können noch immer dieselben Melodien singen, welche der heilige Papst Gregor der Große gesammelt und aufgezeichnet hat.
Liturgie ist sichtbar gewordener, zelebrierter Glaube. Durch ihre Unveränderlichkeit ist die lateinische Sprache in hohem Grade geeignet, ewige Wahrheiten auszudrücken.
Abschließend sei noch darauf hingewiesen, daß es einer der großen Verdienste der liturgischen Bewegung war, durch die Förderung und Verbreitung lateinisch/deutscher Handmeßbücher den Gläubigen auch direkt den Zugang zu den Reichtümern der liturgischen Texte zu eröffnen. Wer seinen Schott gut zu gebrauchen weiß, für den wird die lateinische Kultsprache nichts Fremdes bleiben. Sie wird ihm vielmehr behilflich sein, vorzudringen in die Tiefe, und er wird in der Liturgie reichlich Nahrung finden für sein geistliches Leben.


Von der Bedeutung des Gotteshauses

Bevor wir uns der Erklärung des eigentlichen Meßritus zuwenden, wollen wir uns zunächst noch ein wenig beim ‚Rahmen' aufhalten, in den das heilige Geschehen hineingestellt ist.
Nach dem Wunsch des II. Vatikanischen Konzils soll "das Gotteshaus, in dem die Heiligste Eucharistie gefeiert und aufbewahrt wird, in dem die Gläubigen sich versammeln und die Gegenwart des auf dem Opferaltar für uns dargebrachten Erlösers zur Hilfe und zum Trost der Gläubigen verehrt wird, ... schön sein, geeignet zu Gebet und heiliger Handlung" (PO 5) Entsprechend hat sich im Laufe der Jahrhunderte der Glaube Ausdruck geschaffen in einer von reicher Symbolik geprägten Architektur. Aus der Art und Weise, wie in bestimmten Epochen die Kirchen gebaut wurden, kann man vieles ablesen über das religiöse Leben dieser Zeit.
Genau wie die priesterlichen Gewänder, so enthalten auch unsere Gotteshäuser eine ‚Botschaft'. Wer sie versteht, wird schon mit dem bewußten Eintritt in die Kirche seine persönliche Vorbereitung zur Teilnahme am Meßopfer beginnen.

Die Stufen zur Kirche

Gewöhnlich steigt man auf Stufen empor zum Portal der Kirche. Diese Stufen sagen uns ein erstes "Sursum corda!" Sie wollen uns helfen, uns innerlich zu erheben, denn Gebet ist ja nichts anderes als die Erhebung der Seele zu Gott. - Wer emporsteigt, muß notwendig etwas unter sich lassen. Wir denken an die alttestamentlichen Psalmverse, mit denen die Juden hinaufstiegen zum Tempelberg: "Wer darf hinaufsteigen zum Berg des Herrn, wer darf seine heilige Wohnstatt betreten? Wer schuldlose Hände hat und ein reines Herz, wer sein Begehren nicht auf Böses richtet und keinen Meineid schwört. Dieser wird Segen vom Herrn empfangen und gerechten Lohn vom Gott seines Heiles." (Ps 24,3 - 5)



(c) 2008 Kongregation der Herz-Jesu Franziskaner | trid.herz-jesu-franziskaner@gmx.net

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü