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LITURGIE TEIL 21

STUDIUM

Schlußevangelium

Das Schlußevangelium deuten wir primär als Segensgebet. Sein Ursprung nämlich liegt im Glauben an die Heiligungskraft des Wortes Gottes, denn "lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes doppelt geschliffene Schwert; es dringt durch bis zur Trennung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark, und ist Richter über Gedanken und Regungen des Herzens" (Hebr 4,12). Gemäß den liturgischen Bräuchen kann ein Segen nicht nur mit der Hand, sondern auch mit heiligen Gegenständen und Bildern gespendet werden. Auch mit dem Evangelium selbst kann man segnen. Wenn dazu der Anfang des Evangeliums gelesen wird, dann steht der Beginn stellvertretend für das Ganze. So wurde früher beispielsweise am Fronleichnamsfest an vier Altären in die vier Himmelsrichtungen jeweils der Anfang der vier Evangelien verlesen.
Dies entspricht auch dem wörtlichen Sinn des lateinischen Wortes bene-dictio: Deutet man es von ‚unten' her, dann bedeutet es Lobpreis: "Benedictus qui venit in nomine Domini! - Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!" Deutet man es aber von ‚oben' her, dann heißt es Segen. Eben dies geschieht im Schlußevangelium: Wir preisen Gottes Herrlichkeit, und Gott schickt uns seinen Segen! Wenn Segnen also wörtlich übersetzt bedeutet: bene-dicere = ein gutes Wort sprechen, dann gibt es kein besseres Wort als das Wort Gottes selbst, und in ihm allein wird uns aller Segen zuteil. Auf dem Höhepunkt des Schlußevangeliums beugen wir anbetend die Knie und sprechen von eben diesem Wort: "Et Verbum caro factum est - Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." Welche Fülle göttlichen Segens!
Von seinem Inhalt her ist das Schlußevangeliums geradezu unergründlich. Mit Recht hat der heilige Evangelist Johannes als Symbol den Adler, weil man vom Adler sagte, er könne mit bloßem Auge in die Sonne schauen. Tatsächlich gleicht der Beginn des Johannesevangeliums einem adlerhaften Blick in die ewige Sonne der Gottheit! Darin zusammengefaßt werden ganz wunderbar die wesentlichen Inhalte des Meßopfers und die wichtigsten Geheimnisse des Glaubens.
Von der Gliederung der Messe her steht das Schlußevangelium parallel zum Stufengebet. Wenn im Stufengebet die Bitte steht: "Sende aus Dein Licht und Deine Wahrheit", dann steht im Schlußevangelium gleichsam die Antwort: "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit!"
Was im Schlußevangelium gesagt ist, läßt sich auch deuten auf den gesamten Ablauf der Messe: "Fuit homo missus a Deo. - Ein Mann wurde gesandt von Gott." So ist auch der Priester der Gesandte, der dem Herrn vorausgeht und ihm den Weg bereitet: "Dieser kam als Zeuge; er sollte Zeugnis geben vom Licht, auf daß alle durch ihn zum Glauben gelangen." Und im Moment der heiligen Wandlung geschah genau dasselbe, um dessentwillen wir nun unsere Knie beugen: "Et verbum caro factum est." - Wiederum ist das Wort Fleisch geworden, hier vor uns auf dem Altar. Der Gottessohn selbst gibt sich uns zur Speise: "Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden."
Wenn wir gläubig die Messe mitvollzogen haben und wenn es uns vielleicht gelungen ist, ein wenig den Schleier zu lüften und, ausgehend von den äußeren Riten, einzudringen ins Innerste des Heiligtums; wenn wir nur ein wenig verstanden haben von der Größe des Geheimnisses und der Schönheit der heiligen Messe, dann können auch wir sprechen: "Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit!"



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