Herz-Jesu Franziskaner


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LITURGIE TEIL 15

STUDIUM

Gebete nach der hl. Wandlung

Unde et memores

In der ersten Kanonstrophe nach der Wandlung wird die im eigentlichen Opferakt enthaltene Darbringung weiter entfaltet und gedeutet. Leider machen es die gewohnten deutschen Übersetzungen nicht leicht, die wirkliche Bedeutung dieses Gebetes zu erfassen. Es besagt in erster Linie eine Darbringung, denn das Unde bezieht sich auf die Darbringung der Opfergaben, das Memores ist nur Adjektiv: Unde ... offerimus - Darum opfern wir! Wir bringen das geopferte Gotteslamm dar, dessen Opferleib und Opferblut nun vor uns auf dem Altar liegen. Er selbst ist die Hostia, die reine, heilige, makellose Opfergabe. In den fünf Kreuzzeichen, welche an dieser Stelle über die Opfergaben gezeichnet werden, sehen wir nicht nur Hinweiszeichen, sondern darüber hinaus auch eine Erinnerung an die heiligen fünf Wunden und an Christi Leiden und Tod. "Werden die eucharistischen Opfergaben genannt, dann tritt passend das Symbol des Kreuzes hinzu, um auch für das Auge anschaulich zu machen, daß auf dem Altar der nämliche Leib und das nämliche Blut geopfert werde wie einst am Kreuz." (Gihr, Das heilige Meßopfer, Herder-Verlag Freiburg 1902, S. 616)
Indem wir das heilige Opfer vollziehen, entsprechen wir dem Befehl des Herrn: "Tuet dies, sooft ihr es tut, zu meinem Gedächtnis." Dabei ist zu bedenken, daß das heilige Meßopfer ja nicht nur die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers ist, sondern ebenso "die lebendige Gedächtnisfeier und der geheimnisvolle Vollzug des ganzen Erlösungswerkes: Christus ist als Hoherpriester und Opfergabe auf dem Altar gegenwärtig mit allen Früchten und Verdiensten seiner Erlösung" (Gihr, ebd., S. 613). Aus dem Gedenken wächst der Dank, und dieser wiederum drängt danach, sich auszudrücken im Opfer. Deshalb müssen wir diese Kanonstrophe richtig übersetzen: Weil wir eingedenk (memores) sind, darum opfern wir (offerimus)! Drei große Heilsmysterien werden namentlich erwähnt: Die tam beata passio - die so sehr glückselige Passion -, die Auferstehung und die Himmelfahrt als Krone und Vollendung des Erlösungswerkes.
Zuerst und hauptsächlich vollzieht sich diese Aufopferung durch die geweihten Priester (nos servi tui). Jedoch sind auch die übrigen Gläubigen dank der Taufe und kraft ihrer allgemeinen priesterlichen Würde wirklich Mitopfernde. Die Worte plebs tua sancta sprechen den übernatürlichen Adel des Gottesvolkes aus: "Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes Volk." (1 Petr 2,9)

Supra quae

In der nächsten Kanonstrophe ist es zunächst ein wenig schwierig zu verstehen, weshalb hier um die huldvolle Aufnahme des Opfers gebetet wird, da der Vater ja sowieso mit unendlichem Wohlgefallen auf das Opfer des Sohnes schaut. Auch stellt sich die Frage, wie das Opfer Jesu verglichen werden kann mit den Opfern der Vorzeit, das es ja unvergleichlich viel höher steht als das Opfer Abels, Abrahams und Melchisedechs.
Der Sinn dieses Gebetes mag deutlich werden, wenn wir uns nochmals die Wahrheit des mystischen Leibes vergegenwärtigen. Das Opfer Christi ist zugleich auch das Opfer der Kirche. Christus opfert sich durch den Dienst der Kirche und vollzieht sein Opfer gleichsam eingehüllt in das Opfer der Kirche. Die Kirche bringt es dar als ihr Opfer, indem sie selbst sich mit der Opfergabe vereint. Insofern es aber das Opfer der Kirche und unser Opfer ist, ist es mit Schwachheit behaftet, und eben darauf zielt das Supra quae. "Das Gebet um huldreiche Aufnahme bezieht sich somit auf das eucharistische Opfer, sofern die Kirche als opfernd und mitopfernd in den Vordergrund tritt." (Gihr, ebd. S. 617)
Aus der Erwähnung der Opfer der Vorzeit ersehen wir die Kontinuität der Heilsgeschichte vom ersten Gerechten an bis hin zu Christus. Dabei sind die Opfer des Alten Bundes nur Schatten und Vorbilder. Sie hatten ihren Sinn im Hinblick auf das Opfer Christi. Von Abel heißt es ausdrücklich: "Der Herr blickte auf Abel und seine Opfergabe." (Gen 4,4) In seiner Drohrede über die Pharisäer spricht Jesus selbst vom "Blut des gerechten Abel" (Mt 23,35), der eben dadurch, daß er sein Opfer in seinem eigenen, schuldlos vergossenen Blut vollendete, zum Vorbild dessen wurde, von dem Pilatus sagen sollte: "Ich bin unschuldig am Blute dieses Gerechten." (Mt 27,24) und dessen Blut "wirksamer redet als das Blut Abels" (Hebr 12,24).
Sehr passend wird dieser Gedanke auch ausgedrückt in der Sekret des 7. Sonntages nach Pfingsten: "O Gott, Du hast all den verschiedenen Opfern des alten Gesetzes durch das eine vollkommene Opfer ihre Erfüllung gegeben; so nimm das Opfer von den Dir ergebenen Dienern an und heilige es mit gleichem Segen wie das Opfer Abels, auf daß allen zum Heile gereiche, was jeder einzelne zur Ehre Deiner Majestät dargebracht hat."
In der Auflistung der alttestamentlichen Opfer erkennen wir eine wunderbare Steigerung: Abel, der Gerechte (justus), opfert das Lamm; Abraham, der Vater (patriarcha), opfert den Sohn; Melchisedech, der Priester (sacerdos), opfert Brot und Wein.

Supplices

Der Gestus der tiefen Verbeugung des Körpers beim Supplices te rogamus entspricht ganz dessen Inhalt und ist Ausdruck von Inständigkeit und Demut. Bei der Bitte, das Opfer möge emporgetragen werden vor das Angesicht der göttlichen Majestät, wendet der Priester gleichsam angesichts der Fülle des Lichtes der jenseitigen Sphäre den Blick nach unten.
Als Bezeichnung für die Opfergabe steht hier einfach nur haec = dieses. Im Deutschen kennen wir ebenfalls den Gebrauch des Neutrum zur Andeutung eines großes Geheimnisses und zum Ausdruck von Ehrfurcht und Scheu, wie etwa in den Begriffen das hochwürdigste Gut oder das Allerheiligste. Auch ist dieses Haec wiederum offen für zwei Bedeutungen: Es meint sowohl das heilige Opfer des wahren Leibes Christi als auch das Opfer des mystischen Leibes.
Der erwähnte Engel wird gewöhnlich gedeutet als Anspielung auf den Opferengel vor dem himmlischen Altar in der Geheimen Offenbarung: "Und als es das siebente Siegel öffnete, wurde es still im Himmel, wohl eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. Ein anderer Engel kam und trat vor den Altar, eine goldene Rauchschale tragend, und viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, daß er es darbringe unter dem Gebet aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Throne Gottes. Und der Rauch des Räucherwerkes stieg unter den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels empor zu Gott." (Offb 8,1 - 4) Zusammen mit dem heiligen Thomas von Aquin ist es aber auch möglich, in diesem Opferengel Christus selbst zu erkennen, der unsere Gabe entgegennimmt und auf den himmlischen Altar niederlegt. Dabei beruft er sich auf den Introitus der dritten Weihnachtsmesse, der in Anlehnung an Is 9,6 Christus als magni consilii Angelus bezeichnet (vgl. Summa theologica III,83,4 ad 9).
Wir erkennen in diesem Gebet die bereits in der Erklärung zur Opferung erwähnten beiden Linien wieder: Der erste Teil ist ganz empor gerichtet zu Gott, vor den die Opfergabe gebracht werden soll. Nach dem Wörtchen ut tritt dann eine deutliche Wendung ein: Nun geht es um die Teilhabe an der Opferfrucht, "damit wir alle, die wir durch die Teilnahme an diesem Altar den hochheiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden".



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