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STUDIUM
In primis
Die nächste Stophe beginnt mit den Worten: "Vor allem (= in primis) opfern wir es Dir für Deine heilige katholische Kirche." In diesem Zusammenhang ist es möglich, im lateinischen Wort pro eine zweifache Bedeutung zu entdecken: Es kann bedeuten stellvertretend für oder fürbittend für. Der Priester steht vor Gott stellvertretend für die gesamte katholische Kirche und handelt in ihrem Namen. Durch ihn erhebt sie ihre Stimme und erbittet insbesondere für die streitende Kirche eine vierfache Gnade: Gott möge ihr den Frieden schenken und bewahren (pacificare), er möge sie beschützen und beschirmen (custodire), er möge ihr Einheit geben und sie festigen (adunare), er möge sie regieren und leiten (regere).
Speziell und ausdrücklich wird geopfert (1) für den Papst als sichtbares Oberhaupt der ganzen Kirche, (2) für den Bischof der Diözese, in welcher zelebriert wird [antistes = ‚Vorsteher' von ante-stare] und (3) "für alle Rechtgläubigen und alle, die den katholischen und apostolischen Glauben fördern". In dieser Reihenfolge wird schön das hierarchische Grundprinzip der Kirche sichtbar: "Ubi Petrus, ibi Ecclesia. - Wo Petrus ist, da ist die Kirche. Wo die Kirche ist, da ist kein Tod, sondern ewiges Leben." (Hl. Ambrosius, Enarr in Ps. 40)
Memento
Zu Beginn der nächsten Kanonstrophe finden wir die Einfügung N. et N. Dies geht zurück auf die sogenannten Diptychen, kleine Gedenktäfelchen, die vom Meßbesteller gegeben wurden, damit an dieser Stelle die Namen derer, für welche das heilige Opfer dargebracht wurde, genannt werden. Die Nennung eines Namens schafft Präsenz. Auch heute noch verweilt der Priester an dieser Stelle einige Augenblicke in Stille, um namentlich für all diejenigen zu beten, die ihm anvertraut sind, die sich seinem Gebet empfohlen haben oder die diese Messe in einem besonderen Anliegen bestellt haben. Im levitierten Hochamt tritt der Diakon einen Schritt zurück, um den Priester in diesem Gedenken ungestört zu lassen.
Der Priester gedenkt hier der besonderen Intention dessen, der die Messe bestellt hat und all derjenigen, für die er besonders beten möchte, sowie aller Anwesenden, "deren Glauben (fides) und Opfergesinnung (devotio) Du kennst." Je größer der Glaube und die Opfergesinnung, desto reicher werden sie aus den Quellen des Heiles schöpfen. Je größer zu Lebzeiten die Hochschätzung des Heiligen Meßopfers ist, desto mehr werden sie an seinen Früchten Anteil haben nach ihrem Tode!
Die Anwesenden werden unter einem zweifachen Gesichtspunkt dargestellt: (1) als solche, für die geopfert wird (pro quibus tibi offerimus) und (2) als solche, die selber mitopfern (vel qui tibi offerunt hoc sacrificium laudis pro se suisque omnibus). Das Wort pro kann wiederum dieselbe doppelte Bedeutung haben wie oben: Der Priester opfert im Namen und stellvertretend für die Gläubigen und ist zugleich Fürsprecher für das christliche Volk.
Von einem - freilich nur unvollkommenen - sacrificium laudis, einem Opfer des Lobes, ist schon im Alten Testament die Rede: "Wir können nur noch preisen, aber nicht ergründen, und größer ist er noch als alle seine Werke. Ehrwürdig ist der Herr gar sehr, gar sehr, und wunderbar sind seine Machterweise. Die ihr den Herrn lobpreist, erhebt die Stimme, so laut ihr könnt, denn es wird nie genügen! Wenn ihr erhebt die Stimme, schöpfet neue Kraft, ermüdet nicht, denn ihr kommt nie ans Ende! Wer sah ihn je und kann davon erzählen, und wer kann ihn so preisen, wie er ist?" (Sir 43,28 - 31) Hier auf dem Altar aber wird Gott tatsächlich ein Lobopfer dargebracht, welches wirklich seiner Größe entspricht, indem die ganze Kirche ihr Opfer mit dem des eingeborenen Sohnes vereint!
In der Bitte "damit ihre Seele gerettet und ihre Hoffnung auf Heil (salus) und Wohlfahrt (incolumitas) gesichert werde" klingt ebenfalls die alttestamentliche Heilsnot und Erlösungssehnsucht an. So betet der Psalmist: "Es kann ... keiner Gott das Lösegeld für sich erlegen, noch für sein Leben einen Lösepreis, wenn er sich auch in Ewigkeit abmühte." (Vulg Ps 48,8 f.) Was kein Mensch vermag, vermag doch Gott, und genau dies ist die frohe Botschaft des Evangeliums, daß Christus selbst zum Kaufpreis unseres Heiles (Redemptor) geworden ist und in Ihm allein unsere Hoffnung erfüllt wird. "Würdig bist du, Herr, das Buch entgegenzunehmen und seine Siegel zu lösen! Denn du wurdest geschlachtet und hast uns erkauft mit deinem Blute für Gott, aus jedem Stamm und jeder Sprache, aus jedem Volk und jeder Nation." (Offb 5,9)
Weil aber das Heil den ganzen Menschen betrifft mit Seele und Leib, werden beide Aspekte auch namentlich erwähnt: (1) Salus meint das Heil der Seele, (2) incolumitas [= unverletzt, wohlbehalten] das Heil des Leibes.
Der Schlußvers dieser Strophe würde wörtlich übersetzt lauten: "sie erfüllen Dir, dem ewigen, lebendigen und wahren Gott, ihre Gelübde (reddunt ... vota sua)". Darin finden wir wiederum einen Anklang an einen Psalmvers: "Bringe Gott als Opfer Lob dar und löse dem Allerhöchsten deine Gelübde (redde Altissimo vota tua!" (Vulg Ps 49,14)
Das Wort vota kann (1) eine gelobte Gabe bedeuten oder auch (2) die inneren und äußeren Akte der Gottesverehrung. Reddare bedeutet wörtlich zurückgeben: Sowohl die materiellen Gaben, als auch die eigene Existenz kommen von Gott. Was immer wir Ihm auch geben können, so wird es doch stets ein Zurückgeben sein, denn alles kommt von Ihm!
Die hl. Wandlung
Communicantes
Im Communicantes folgt nun die Berufung auf die triumphierende Kirche im Himmel: Als Opfernde stehen wir in heiliger Gemeinschaft! Die Auflistung der Heiligen steht in schöner Ordnung. Sie gleicht einer feierlichen Prozession, in der sich - angeführt von Maria und Joseph - je 12 Apostel und 12 frühchristliche Martyrer gegenüberstehen. Im Blick auf den nahenden Höhepunkt der Messe denken wir an die adventliche Antiphon: "Ecce Dominus veniet - Siehe, der Herr wird kommen und alle Heiligen mit Ihm..." (Vesperantiphon des 1. Adventssonntages) Nach katholischer Auffassung wird Christus durch die Heiligen nicht verdeckt, sondern vielmehr offenbaren sie die Kraft seiner Gnade, insbesondere durch den Triumph ihres Martyriums.
In einem Bild der Apokalypse begegnen uns ebenfalls vierundzwanzig Heilige: "Im Umkreis des Thrones waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, angetan mit weißen Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze." (Offb 4,4) Einen weiteren bedeutsamen Anklang an die Apokalypse finden wir gegen Ende des Communicantes: Das Wort muniamur (= "wir mögen befestigt werden") kommt vom lateinischen Wort moenia = Mauer. So lesen wir in der Apokalypse von der neuen Stadt Jerusalem: "Sie hat eine mächtige, hohe Mauer mit zwölf Toren, und auf den Toren zwölf Engel und Namen daraufgeschrieben. (...) Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine, und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes." (Offb 21,12 - 14) Auf diese Weise mögen wir erinnert werden an das Fundament, auf dem die Kirche steht. Das Fundament eines Bauwerkes ist dann gut, wenn es sicher und fest begründet ist, auch wenn man vielleicht im Einzelnen seine Zusammensetzung nicht mehr kennt. Ebenso ist auch die Kirche fest gegründet auf das Fundament der Apostel und Martyrer. Das Fundament ist gut, auch wenn wir historisch nur sehr wenig über manche dieser Personen wissen.
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