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STUDIUM
Die Präfation
Unmittelbar vor der Präfation steht eine von einer tiefen Kopfverneigung begleitete Einladung zur Danksagung: "Gratias agamus Domino, Deo nostro. - Lasset uns danksagen dem Herrn unserem Gott." Diesen Gestus deuten wir in enger Verbindung mit der heiligen Wandlung: Auch vor der Konsekration finden wir einen solchen Akt der Danksagung, der ebenfalls verbunden ist mit einer Erhebung der Augen und einer tiefen Kopfverneigung ("tibi gratias agens..."). Die Danksagung ist so wesentlich, daß nicht nur die Messe selbst nach dem griechischen Wort für Danksagung (= eucharistia) benannt wird, sondern daß diese im Moment der Konsekration enthaltene Danksagung eigens feierlich in der Präfation entfaltet wird. "Die Heilige Schrift berichtet, daß Jesus Christus seinem himmlischen Vater gedankt habe, bevor er Brot und Wein konsekrierte ... Wer sollte nicht auf den ersten Blick erkennen, daß die Kirche auch hierin dem Beispiel ihres göttlichen Herrn und Meisters folgt, indem sie dem Wandlungsakt in der Präfation einen unvergleichlich erhabenen Dank- und Preisgesang vorangehen läßt." (Gihr, Das heilige Meßopfer, a.a.O., S. 516)
Im Deutschen ist das Wort danken verwandt mit denken/gedenken. Eben dies geschieht in der Präfation: Ein dankendes Gedenken der Großtaten Gottes! Wenn auch der Text der Präfation je nach Zeit und Anlaß wechseln kann, so beginnen doch alle Präfationen, nur die von den Aposteln ausgenommen, mit denselben charakteristischen Worten: "Vere dignum et justum est, aequum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere. - Es ist in Wahrheit würdig und recht, billig und heilsam, Dir immer und überall dankzusagen." Würdig ist Gott jeder Danksagung, weil er selbst die Quelle aller Güter ist; gerecht ist sie, weil wir sie Gott wirklich schulden. Auch ist sie angemessen und durchaus heilsam zur Förderung für das zeitliche und ewige Heil.
Wie schon im Gloria und im Kyrie verbindet die Kirche gegen Ende jeder Präfation ihren eigenen Lobgesang mit demjenigen der Engel und stimmt ein in den Gesang des Sanctus: "Mit ihnen laß, so flehen wir, auch uns einstimmen und voll Ehrfurcht bekennen: Heilig..." - In einer Homilie nennt Papst Gregor der Große neun Engelchöre: Engel, Erzengel, Mächte (virtutes), Fürstentümer (principatus), Gewalten (potestates), Herrschaften (dominationes), Throne, Cherubim und Seraphim. Mit Ausnahme der Fürstentümer werden sie alle in variierender Reihenfolge in den Präfationen erwähnt.
Das Sanctus
Das Sanctus ist aus Worten der Schrift gebildet und besteht aus zwei Teilen. Diese entsprechen genau den beiden Hauptgeheimnissen unseres Glaubens: "Die erste Hälfte enthält die Verherrlichung der heiligen Dreifaltigkeit durch die Engel des Himmels; die zweite Hälfte besteht aus der Begrüßung des Heilandes durch den Mund der Gläubigen auf Erden." (Gihr, Das heilige Meßopfer, a.a.O., S. 528)
Der erste Teil des Sanctus geht zurück auf den Propheten Isaias. In einer visionären Schau tat er einen Blick hinein ins innerste Geheimnis der Gottheit. Das dreimal wiederholte Heilig galt nach Ansicht der Väter den drei göttlichen Personen und war somit schon eine implizite alttestamentliche Offenbarung des Mysteriums der Dreifaltigkeit! "Im Todesjahr des Königs Ussia sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Throne, seines Gewandes Schleppen füllten den Tempel. Über ihm schwebten Seraphim; sechs Flügel hatte ein jeder; mit zweien verhüllte er sein Angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er. Einer rief dem andern zu und sprach: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, die Fülle der ganzen Erde ist seine Herrlichkeit.' Vor der Stimme des Rufenden erbebten die Pfosten der Türschwellen, und der Tempelraum füllte sich mit Rauch." (Is 6,1 - 4)
Der zweite Teil erinnert an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag: "Die Scharen, die vorausgingen und nachfolgten, riefen: ‚Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!'" (Mt 21,9) Damals in Jerusalem gab es viele, deren Huldigung rein äußerlich war, deren Herz aber verschlossen blieb. Solcher Art soll unsere Huldigung nicht sein! In jeder Messe dürfen wir denken an die mahnenden Worte der Oration zur Palmweihe am Palmsonntag: "Gib, daß Dein Volk, was es heute im Äußeren zu Deiner Verehrung tut, auch geistig mit ganzer Hingebung vollbringe."
Im lateinische Wort "venit" steckt ein schöner Bedeutungsreichtum: Von seiner Form her kann es sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart sein und ist somit offen für eine zweifache Deutung: (1) Es kann sich beziehen auf die erste Ankunft Jesu im Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung: "Gepriesen sei, der gekommen ist..." (2) Es kann aber auch im Blick auf die eucharistische Ankunft des Herrn auf dem Altar heißen: "Gepriesen sei, der jetzt kommt...!".
Zum äußeren Ausdruck des Wortes "supplici confessione = mit demütig verneigtem Lobgesang" am Ende der Präfation betet der Priester das Sanctus in verbeugter Haltung. Das Kreuzzeichen am Ende deutet hin auf die Erlösung und das Heil im Zeichen des Kreuzes.
Was das Sanctus an dieser Stelle der Messe uns vor allem lehren will, ist eine Haltung der Ehrfurcht und Demut. Wer begreift, was Großes sich nun vollziehen wird, der wird von einem ähnlichen heiligen Gottesschauer erfaßt wie Moses im Angesicht des brennenden Dornbusches. Nur solch eine Haltung tiefer Demut und heiliger Gottesfurcht befähigt den Menschen, auch wirklich einzugehen ins Innerste des Heiligtums.
Te igitur
Mit dem Te igitur beginnt der in Stille vollzogene Teil des Meßkanon. Das Gebet wird eingeleitet durch eine betonte Berufung auf die Mittlerschaft Jesu Christi. Während diese sonst bei den Orationen stets am Ende erwähnt wird, steht sie in dieser Kanonstrophe gleich am Anfang: "Dich, gütiger Vater, bitten wir demütig und flehen zu Dir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unsern Herrn."
Diese Berufung auf die Mittlerschaft Jesu geschieht nicht nur verbal. Bei genauem Hinsehen finden wir gerade zu Beginn dieser Strophe auch einen künstlerischen Hinweis auf das Zeichen des Kreuzes als Werkzeug des Heiles. Im Mittelalter war es üblich, die ersten Buchstaben (= Initialen) bedeutsamer Texte besonders kunstvoll zu gestalten. Weil aber schon seit altchristlicher Zeit der Buchstabe Tau aufgrund seiner Form als Symbol des Kreuzes gedeutet wurde, haben die mittelalterlichen Buchmaler aus dem T des Te igitur gerne ein Kreuz gemacht. Dieses Kreuz hat sich im Laufe der Zeit verselbständigt, weshalb wir gewöhnlich in alten Meßbüchern vor dem Te igitur eine ganze Seite mit oft prachtvollen Kreuzesdarstellungen finden.
Die folgende Bitte supplices rogamus ac petimus wird dargestellt im einleitenden Ritus. Das lateinische Wort supplex bedeutet: demütig, flehentlich erbittend. Deshalb erhebt der Priester Hände und Augen, senkt sie wieder, neigt sich tief und legt die gefalteten Hände auf den Altar. Wer die Bildersprache der Liturgie zu lesen vermag, wird darin diese beiden Elemente ausgedrückt finden:
Demut und Bitte
Gegenstand der Bitte ist dies: uti accepta habeas et benedicas - daß Du die Opfergaben annehmen und segnen wollest. Das benedicas kann sowohl als vorbereitende Segnung der Opfergaben gedeutet werden, als auch als erster Ansatz einer Wandlungsbitte im Blick auf die eigentliche Konsekration.
Nach dem nun folgenden Altarkuß macht der Priester drei Kreuzzeichen über Hostie und Kelch. Altarkuß und Kreuzzeichen bilden zusammen ein rituelles Ganzes. Durch den Altarkuß will der Priester "vornehmlich die Liebeseinigung mit Christus erneuern und darstellen, weil er aus seiner Verbindung mit Christus die ganze Segensfülle schöpft, welche er sofort durch drei Kreuzzeichen über die Opferelemente ausgießt" (Gihr, Das heilige Meßopfer, Herder-Verlag Freiburg 1902, S. 553).
Während der Kreuzzeichen benennt der Priester die Opfergaben mit drei Begriffen, in denen wir nicht einfach nur Wiederholungen sehen, sondern durchaus eine inhaltliche Steigerung: "Haec + dona, haec + munera, haec + sancta sacrificia illibata. - Diese + Gaben, die + Geschenke, diese + heiligen, makellosen Opfergaben." Das Wort donum bezeichnet eine Gabe unter Menschen, das Wort munus bezeichnet eine pflichtgemäße Abgabe, das Wort sacrificium bezeichnet ein Gott dargebrachtes Opfer. Einen schönen Anklang finden wir zum alttestamentlichen Psalmvers: "Die Könige von Tarsis und den Inseln bringen Geschenke (munera), die Könige von Saba und Seba entrichten Gaben (dona)." (Ps 72,10)
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