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LEHREN DER MODERNISTEN TEIL 13

THEMEN

Soll diese Erfahrung allein falsch und trügerisch sein? Und doch hält der größere Teil der Menschheit daran fest, und wird immer daran festhalten, daß man nur durch das Gefühl und nur durch die Erfahrung, ohne Leitung der Vernunft, nie zur Erkenntnis Gottes gelangen kann. Im Endeffekt bleibt wieder nichts als Atheismus und Religionslosigkeit übrig. Auch von ihrer Lehre über den Symbolismus dürfen sich die Modernisten nichts Besseres versprechen. Wenn alle Verstandeselemente, nach ihrer Meinung, nur Symbole Gottes sind, sollte dann nicht vielleicht auch der Begriff von Gott und einer göttlichen Persönlichkeit ein Symbol sein? Wenn ja, so darf man wohl an der Persönlichkeit Gottes zweifeln. Dem Pantheismus steht dann Tür und Tor offen. Zu demselben Ergebnis, und zwar zum reinsten Pantheismus, führt auch die Lehre von der göttlichen Immanenz. Wir müssen daher fragen, ob eine solche Immanenz zwischen Gott und dem Menschen trennt oder nicht. Wenn ja, welcher Unterschied besteht dann in der katholischen Lehre, und warum darf man dann die Lehre von der äußeren Offenbarung verwerfen? Wenn nein, so ist der Pantheismus da. Nun will aber dies die modernistische Immanenz, die offen zugibt, daß das Bewußtseinsphänomen vom Menschen als Menschen ausgeht. Also kommt man mit Recht zu der Schlußfolgerung, daß Gott und Mensch ein und dasselbe sind - also Pantheismus. Auch die Trennung von Glauben und Wissen, die sie proklamieren, läßt keine andere Schlußfolgerung zu. Den Gegenstand des Wissens sehen sie in der Realität des Erkennbaren, und den des Glaubens in der Realität des Unerkennbaren. Die Unerkennbarkeit rührt daher, daß zwischen dem dargebotenen Gegenstand und dem Verstand keine Proportion besteht. Die fehlende Proportion kann jedoch nie, auch nicht nach der Lehre des Modernismus, ersetzt werden. Das Unerkennbare wird daher sowohl dem Gläubigen, als auch dem Philosophen ewig unerkennbar bleiben. Gibt es also doch eine Religion, so ist ihre Realität unerkennbar. Dann ist jedoch nicht einzusehen, warum die Realität nicht auch eine Weltseele sein könnte, wie dies manche Rationalisten annehmen. Das ist noch nicht genug, um mehr als deutlich zu zeigen, wie alle Wege des Modernismus zum Atheismus und zur Vernichtung der gesamten Religion führen. Der Irrtum des Protestantismus war der erste Schritt, es folgt der Modernismus, um schließlich im Atheismus zu enden.
40. Um den Modernismus noch besser kennenzulernen, und für eine derartig schwere Wunde die am besten geeigneten Heilmittel zu suchen, ist es angebracht, ehrwürdige Brüder, nunmehr auch den Ursachen etwas nachzugehen, welche das Übel verschuldet oder verschlimmert haben. Zweifellos liegt seine nächste und unmittelbare Ursache in einem Irrtum des Verstandes. Zwei entferntere Ursachen erkennen wir in der Neugierde und im Stolz. Wenn der neugierige Wissensdrang nicht weise gemäßigt wird, ist dies alleine schon ausreichend, um alle möglichen Irrtümer zu erklären. Unser Vorgänger, Gregor XVI., schrieb daher mit Recht17:

Es ist tief traurig, zu welchen Torheiten sich die menschliche Vernunft verirren kann, wenn man Neuerungen sucht und gegen die Mahnung des Apostels den Sinn höher trägt, als es sich gebührt, wenn man in übermäßigem Selbstvertrauen die Wahrheit außerhalb der katholischen Kirche zu suchen glaubt, während man sie in ihr ohne den geringsten Staub des Irrtums finden kann. Der Stolz hat jedoch in einem weit höheren Grad die Wirkung, den Geist zu verblenden und in den Irrtum zu führen. Dieser ist sozusagen beim Modernismus zu Hause. Von allen Seiten strömt ihm dort Nahrung zu und nimmt ihn in allen möglichen Formen an. Es ist Stolz, wenn sie in einem verwegenen Selbstgefühl die eigene Person als Norm für alles betrachten und als solche ausgeben. Es ist Stolz, wenn sie prunken, als besäßen sie alleine alle Weisheiten, und sich dadurch zu den aufgeblasenen Worten hinreißen lassen: Wir sind nicht wie die anderen Menschen! Um nicht mit anderen auf eine Stufe gestellt zu werden, greifen sie nach allem, was sich neu nennt, und ersinnen die größten Ungereimtheiten. Es ist Stolz, wenn sie jegliche Unterwerfung ablehnen und verlangen, daß sich die Autorität mit der Freiheit abfinden muß. Es ist Stolz, wenn sie an die Reform anderer denken und dabei sich selbst vergessen, wenn sie keinen Stand und kein Amt, auch nicht das höchste, achten. Der Stolz ist mit Gewißheit der kürzeste und sicherste Weg zum Modernismus. Wenn ein katholischer Laie, oder auch wenn ein Priester die christliche Lebensregel vergißt, wonach wir uns selbst verleugnen müssen, um Christus nachfolgen zu können, wenn er den Stolz nicht aus seinem Herzen reißt, dann ist er vor allen anderen für die Annahme der modernistischen Irrtümer bereit. Es muß deshalb, ehrwürdige Brüder, Eure erste Aufgabe sein, diesen stolzen Menschen entgegenzutreten, sie in den unbedeutendsten und unscheinbarsten Ämtern zu beschäftigen, um sie desto tiefer herabzudrücken, je höher sie sich erheben, damit sie in ihrer niedrigen Stellung weniger Schaden anzurichten vermögen. Eure persönliche Aufgabe muß sodann sein, durch die Leiter Eurer Seminarien die Priesterkandidaten sorgfältig zu prüfen. Für den Fall, daß Ihr stolze Menschen darunter findet, müßt Ihr diese unbarmherzig von den heiligen Weihen zurückweisen. Wäre das nur immer mit der nötigen Sorgfalt und Festigkeit geschehen!
41. Gehen wir nun von den moralischen Ursachen zu den Ursachen über, die im Verstand liegen. Als erstes zeigt sich uns die hauptsächlichste Ursache der Unwissenheit. Alle Modernisten ohne Ausnahme, die Lehrer in der Kirche sein und heißen wollen, und mit lauter Stimme die moderne Philosophie preisen und die scholastische verachten, konnten sich nur deshalb von ihrem falschen Schein verleiten lassen und sich zu ihr bekennen, weil sie bei völliger Unkenntnis der Scholastik gar keine Beweismittel in den Händen hielten, um die Begriffsverwirrung zu steuern und die Sophismen zurückzuweisen. Aus der Verbindung der falschen Philosophie mit dem Glauben ist dann ihr System mit allen seinen groben Irrtümern gewachsen.

42. Würde doch nur auf seine Verbreitung weniger Eifer und Sorge verwandt! Dagegen ist ihre Rührigkeit groß. Unermüdlich verrichten sie ihre Arbeit, daß es einem wirklich leid tut, so viele Kräfte mißbraucht zu sehen, welche die Kirche verderben, die bei richtig angewendetem Gebrauch ihre beste Hilfe sein könnte. Sie benutzen ein doppeltes Vorgehen, um die Leute zu überrumpeln. Zunächst versuchen sie, jedes Hindernis ihrer Ziele auszuräumen, dann raffen sie alles mit dem größten Eifer zusammen und wenden unermüdlich und unverdrossen jedes Mittel an, das ihnen in irgendeiner Form eine Hilfe sein kann. Vor allem sind es drei Dinge, von denen ihnen bekannt ist, daß sie ihren Bestrebungen entgegengesetzt sind: Die scholastische Methode in der Philosophie, die Autorität und die Tradition der Väter sowie das kirchliche Lehramt. Diesen gilt ihr verbissenster Kampf. Die scholastische Philosophie und Theologie wird von ihnen darum durchweg verhöhnt und verachtet. Mag das nun aus Unwissenheit, Furcht oder wohl richtiger aus beiden Gründen geschehen. Es steht zumindest fest: Neuerungssucht ist immer mit Abneigung gegen die Scholastik verbunden. Es gibt kein sichereres Zeichen für eine beginnende Hinneigung zu den modernistischen Lehren, als nur der Beginn, Widerwillen gegen die scholastische Methode zu empfinden. Die Modernisten und ihre Freunde sollten an die Verurteilung des Satzes durch Pius IX. denken18: Die Methode und die Prinzipien, nach denen die alten Lehrer der Scholastik die Theologie betrieben haben, passen nicht zu den Bedürfnissen unserer Zeit und zum Fortschritt der Wissenschaften. In schlauer Weise versuchen sie, die Tradition nach ihrer Bedeutung und nach ihrem Wesen zu verdrehen, um ihr dadurch jegliches Gewicht zu nehmen. Für die Katholiken wird jedoch die Entscheidung des zweiten Konzils von Nicäa stets seine Geltung behalten. Danach werden diejenigen verurteilt, die es wagen … nach dem Beispiel verworfener Häretiker, die kirchlichen Überlieferungen zu verachten und irgendwelche Neuerungen auszusinnen … oder in bösartiger List etwas zu erdenken, um ein Stück der rechtmäßigen Überlieferung der katholischen Kirche zu Fall zu bringen. Ebenso behält das Bekenntnis des vierten Konzils von Konstantinopel seine Gültigkeit: Wir bekennen also, daß wir die Vorschriften halten und bewahren wollen, welche zum einen Teil von den großen heiligen Aposteln, zum anderen Teil von den allgemeinen sowie den besonderen Konzilien der Rechtgläubigen oder auch von irgendeinem gottbegnadeten Vater oder Lehrer der heiligen katholischen und apostolischen Kirche überliefert worden sind. Darum wollten auch die Päpste, Pius IV. und Pius IX., dem Glaubensbekenntnis beigefügt wissen: Die apostolischen und kirchlichen Überlieferungen und die übrigen Gewohnheiten und Verordnungen dieser Kirche nehme ich fest und freudig an. Die Modernisten denken auch nicht anders über die Überlieferung der heiligen Kirchenväter. Mit aller Kühnheit stellen sie diese dem Volk zwar höchst verehrungswürdig dar, beschuldigen sie aber in kritischen und historischen Fragen der gröbsten Unwissenheit, die sich nur mit der Zeit entschuldigen läßt, in der sie gelebt haben.



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