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LITURGIE
Der neue Meßritus
Was ist die hl. Messe?
Die hl. Messe ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers. Christus opfert hier durch die Vermittlung des menschlichen Priesters seinen Leib und sein Blut, die er am Kreuz auf blutige Weise hingeopfert hat, auf unblutige Weise seinem Vater auf. Die hl. Messe ist also ein wahres Opfer, durch das uns die Verdienste des Kreuzesopfers zugewendet werden.
Das Konzil von Trient lehrt: "Wer sagt, in der Messe werde Gott kein wahres und eigentliches Opfer dargebracht ... der sei mit dem Anathema belegt (= ausgeschlossen)".93 Weiter lehrt das Konzil von Trient, daß Christus "beim letzten Abendmahl, 'in der Nacht, da er verraten wurde' (1 Kor 11, 23), um seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares (wie es die Natur des Menschen erfordert) Opfer zu hinterlassen, durch das jenes blutige Opfer, das einmal am Kreuze dargebracht werden sollte, vergegenwärtigt werden, sein Gedächtnis bis zum Ende der Zeit fortdauern und dessen heilbringende Kraft für die Vergebung der Sünden, die von uns täglich begangen werden, zugewandt werden sollte, ... seinen Leib und sein Blut unter den Gestalten von Brot und Wein Gott, dem Vater, dargebracht"94 hat. Durch die Worte "Tut dies zu meinem Gedächtnis" habe er die Apostel zu Priestern eingesetzt und ihnen den Auftrag gegeben, dieses Opfer in Zukunft zu feiern.95
Das Verhältnis von Kreuzes- und Meßopfer wird vom Konzil folgendermaßen bestimmt:
Es ist dieselbe Opfergabe in beiden Opfern, nämlich Jesus Christus. In der Messe werden nicht Brot und Wein geopfert (diese hören mit der Wandlung ja auf zu existieren), sondern der Leib und das Blut Jesu Christi. Auch der Opferpriester ist derselbe, mit dem Unterschied allerdings, daß sich Christus am Kreuz allein hingeopfert hat, während er sich in der Messe dazu des menschlichen Priesters bedient, der aber nur als Werkzeug Christi handelt. Die Opferweise ist allerdings verschieden. Am Kreuz hat sich Christus blutig hingeopfert, in der Messe tut er es auf unblutige Weise. Die Doppelkonsekration, d.h. die getrennte Wandlung des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi, dient aber dazu, die Trennung des Leibes und Blutes Christi am Kreuz anzudeuten.
Wer leugnete, daß die Messe ein Opfer ist?
Der Opfercharakter der hl. Messe war über 1000 Jahre lang unbestrittenes Glaubensgut der Christen. Erst im 12. Jahrhundert begann die Leugnung dieser Wahrheit bei einigen Sekten. Vor allem war es dann Martin Luther und mit ihm der ganze Protestantismus, der zum Abfall vieler Christen von diesem Dogma führte.
Luther leugnete nicht eine gewisse wirkliche Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie, wenn er sie auch nicht im katholischen Sinn verstand. Was er aber leugnete und mit den wütendsten Ausdrücken beschimpfte, war die Lehre vom Meßopfer.
Der Opfercharakter der Messe geht dagegen aus den Offenbarungsquellen klar hervor. Zunächst weist die Prophezeiung des Malachias auf ein künftiges Opfer hin: "Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang ist mein Name groß unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht" (Mal 1, 11). Die Juden hatten nur einen Ort, an dem sie rechtmäßig opfern konnten, nämlich den Tempel zu Jerusalem. Für den Neuen Bund kündigt der Prophet aber ein reines Opfer an, das an allen Orten der Welt gefeiert werden wird. Unter diesem Opfer haben die Christen von alters her das Meßopfer verstanden. Auch das Opfer des Melchisedech, der Brot und Wein darbrachte (Gen 14, 18), war ein Vorbild des Meßopfers. Darum wird Christus "Priester nach der Ordnung des Melchisedech" genannt (Hebr 6, 20), da das Opfer, das er einsetzte, unter den Gestalten von Brot und Wein vollzogen wird.
Christus gebraucht sodann bei der Einsetzung der Messe Opfertermini: "Der Leib, der hingegeben wird - das Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden". Diese Ausdrücke stehen im Präsens, beziehen sich also auf die gegenwärtige Abendmahlshandlung. Dies ist besonders deutlich beim Evangelisten Lukas, wo von der Ausgießung des Kelches die Rede ist.
Auch der hl. Paulus stellt im 1. Korintherbrief dem "Tisch der Dämonen" den "Tisch des Herrn" gegenüber. Unter dem Tisch der Dämonen versteht er die Anteilnahme an den Götzenopfern, und er will damit sagen, daß diejenigen, die an den Götzenopfern teilnehmen, nicht am Opfer Christi anteilnehmen dürfen und umgekehrt. Wie unter dem "Tisch der Dämonen" die heidnischen Opfer verstanden werden müssen, so unter dem "Tisch des Herrn" das christliche Opfer (vgl. 1 Kor 10, 18-21). Im Hebräerbrief 13, 10 heißt es schließlich: "Wir haben einen Opferaltar, von dem diejenigen nicht essen dürfen, die dem Zelte (= dem jüdischen Kult) dienen".
Es wäre auch merkwürdig, wenn die vielen Opfer des Alten Bundes im Neuen Bund keine Entsprechung hätten. In der damaligen Zeit hatten alle Religionen ihre Opfer, und eine Religion ohne Opfer wäre gar nicht vorstellbar gewesen. Daher sprechen auch die ältesten kirchlichen Schriftstücke immer von der Eucharistie als einem Opfer. So z.B. die Didache (um 100 n. Chr. geschrieben): "Am Herrentag versammelt euch, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr vorher eure Sünden bekannt habt, damit euer Opfer rein sei".97 Dieses Opfer wird auch klar als das von Malachias angekündigte bezeichnet. Papst Klemens (92 -101 n. Chr.) schreibt: "Der Herr hat befohlen, die Opfer und die gottesdienstlichen Handlungen zu festgesetzten Zeiten und Stunden zu vollziehen".98 Der hl. Cyprian von Karthago (+258) widmet seinen 63. Brief der Lehre vom Meßopfer und betont hier, daß Christus seinen Leib und sein Blut dem Vater als Opfer dargebracht hat (n. 4), daß er dieses Opfer zu seinem Gedächtnis zu feiern befohlen hat (n. 14) und daß der Priester als Stellvertreter Christi fungiert (n. 9). Besonders schön ist auch ein Wort des hl. Gregor von Nazianz (+390). Er ruft dem Priester zu: "So lasse denn nicht ab, du frommer Mann, für mich zu beten und zu ?ehen, wenn du durch dein Wort den Logos herabziehst, wenn du auf unblutige Weise den Leib und das Blut des Herrn scheidest, indem du das Wort (= die Wandlungsworte) als Schwert gebrauchst ".99 Hier wird ganz deutlich die Lehre von der unblutigen Hinopferung Christi durch die Trennung seines Leibes und Blutes vermittels der Doppelkonsekration zum Ausdruck gebracht.
Diese und unzählige andere Stellen zeigen deutlich, daß es ein Abfall von der christlichen Lehre war, als man an?ng, den Opfercharaker der Messe zu leugnen.
Mindert die Lehre vom Meßopfer die Bedeutung des Kreuzesopfers?
Das Meßopfer mindert in keiner Weise die Bedeutung des Kreuzesopfers, da es seine ganze Kraft aus diesem schöpft und ganz von ihm abhängig ist. Seine Bedeutung besteht nur darin, das Kreuzesopfer zu vergegenwärtigen und den Menschen die Gnaden zuzuwenden, die Christus am Kreuz verdient hat.
Die Protestanten behaupteten, das Meßopfer sei eine Schmähung des Kreuzesopfers, da man hier so tun würde, als hätte das Kreuzesopfer zur Erlösung der Menschheit nicht genügt und als bedürfe es darum ständig weiterer Opfer. Das war aber niemals die Lehre der katholischen Kirche. Christus hat durch seinen Kreuzestod alle Gnaden verdient, die zur Erlösung aller Menschen aller Zeiten notwendig sind. "Er trat nicht mit dem Blut von Böcken und Rindern, sondern mit seinem eigenen Blute ein für allemal in das Heiligtum ein, indem er eine ewig dauernde Erlösung erlangte" (Hebr 9, 12). Durch das Meßopfer werden daher nicht neue Gnaden erworben, sondern seine Aufgabe ist es, die am Kreuz verdienten Gnaden den Menschen zuzuwenden. Nach dem Willen Christi ist nämlich die Ausspendung der Erlösungsfrüchte an die Sakramente, besonders an das Meßopfer gebunden.
Ist die hl. Messe auch ein Mahl?
Die hl. Messe ist ihrem Wesen nach weder ein Mahl noch ein Opfer und Mahl, sondern nur ein Opfer. Die hl. Kommunion, die man allenfalls ein Mahl nennen könnte, ist eine Frucht dieses Opfers, gehört aber nicht zu seinem Wesen hinzu.
Die Begründung für den Opfercharakter der Messe haben wir oben gesehen. In den Texten des Konzils von Trient ist niemals davon die Rede, daß die Messe zudem noch ein Mahl sei. Die These, die hl. Messe sei zugleich Opfer und Mahl, ist von Papst Pius XII. auch ausdrücklich verurteilt worden: "Es weicht vom Weg der Wahrheit ab, wer das heilige Opfer nur feiern will, wenn das christliche Volk zum Tische des Herrn hinzutritt; noch mehr ist im Irrtum, wer - um es als unbedingte Notwendigkeit hinzustellen, daß die Gläubigen zusammen mit dem Priester das eucharistische Mahl empfangen - arglistig behauptet, es handle sich hier nicht nur um ein Opfer, sondern zugleich um ein Opfer und ein Mahl der brüderlichen Gemeinschaft, und es sei die gemeinschaftlich empfangene Kommunion sozusagen der Höhepunkt der ganzen Opferfeier. Es muß immer wieder betont werden: Das eucharistische Opfer ist seiner Natur nach eine unblutig Hinopferung des göttlichen Opferlammes, was auf geheimnisvolle Weise durch die Trennung der heiligen Gestalten und durch ihre Darbringung an den ewigen Vater zum Ausdruck kommt. Die heilige Kommunion gehört zu dessen Vollständigkeit und zur Teilnahme daran mittels der hochheiligen sakramentalen Vereinigung; während diese für den opfernden Priester unbedingt erfordert ist, wird sie den Gläubigen nur dringend empfohlen".100
Die Kirche hat darum zwar die sonntägliche Teilnahme am Meßopfer zur P?icht gemacht, niemals aber die sonntägliche Kommunion. Wäre die hl. Messe wesentlich ein Mahl, so müßten die anwesenden Gläubigen unbedingt kommunizieren, denn wer bei einem Mahl nichts ißt, hat nicht daran teilgenommen! Dagegen bestimmte das Konzil von Trient: "Wer sagt, die Messen, in denen allein der Priester sakramental kommuniziert, seien unerlaubt und deshalb abzuschaffen, der sei mit dem Anathema belegt".101
Im Grunde sperrt sich der ganze Meßritus auch gegen den Mahlcharakter, denn was ist das für ein Mahl, bei dem man nach langen rituellen Verrichtungen eine so geringe Speise gereicht bekommt? Wäre die Messe ein Mahl, so hätten die recht, die die Messe in der Form eines richtigen Essens gestalten wollen.
Wer lehrt, daß die Messe Opfer und Mahl sei ?
Es ist die heute bei vielen katholische Theologen verbreitete Theorie, daß die Messe ein Mahl sei, bei dem sich ein Opfer vollziehe. Das Erste sei also das Mahl, aber - so sagen sie - es gäbe in diesem Mahl auch ein Opfer, das darin bestände, daß sich Christus uns zur Speise gäbe. Diese Hingabe Christi an uns im Mahl sei also der Opfercharakter, der sich in der Messe fände.
Dies hat aber mit der katholischen Lehre nichts zu tun, sondern hier wird die wahre Ordnung ins Gegenteil verkehrt. Ein Opfer besteht in der Hingabe an Gott und nicht an einen Menschen. Christus hat sich am Kreuz seinem Vater dargebracht und nicht uns. Hätte die neue Theorie recht, so würde das Meßopfer uns und nicht Gott dargebracht werden.
Diese Theorie wird z.B. im Abschlußbericht des ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen vertreten. Dieser Arbeitskreis tagte von 1976 bis 1982. Von katholischer Seite nahmen daran unter anderen Kardinal Hermann Volk, Karl Lehmann, Walter Kasper und Kardinal Ratzinger teil. Hier heißt es: "Das sichtbare Zeichen für die Opferhingabe Jesu Christi in der Eucharistiefeier und unser Einbezogenwerden in diese Selbsthingabe ist ... das Mahl ... Dies bedeutet vielmehr, daß im vollzogenen Mahl sich das Opfer der Selbsthingabe Jesu Christi vergegenwärtigt und realisiert. Deshalb ist die herkömmliche, erst nach dem Konzil von Trient prinzipiell durchgeführte Unterscheidung der Eucharistie in Sakrament einerseits und Opfer andererseits theologisch unbrauchbar, weil sie die Grundstruktur verstellt. Im Anbieten seiner selbst als Speise ?ndet Jesu Christi Hingabe auf der Ebene des liturgischen Zeichens ihren Ausdruck".102 Man sieht, daß hier wirklich etwas Neues unter Ablehnung der traditionellen Theologie gelehrt wird.
Wurde die tridentinische Messe abgeschafft?
Mit der Einführung des neuen Meßritus war keine Abschaffung oder ein Verbot der tridentinischen Messe verbunden. Dies wäre wohl auch kaum möglich gewesen, da die Kirche noch niemals einen so alten Ritus verboten hat und der hl. Pius V. in seiner Bulle Quo primum vom 14. Juli 1570, mit der er die tridentinische Meßordnung festlegte, bestimmte, daß dieser Meßritus für immer gültig sein solle und es einem Priester nie verboten werden dürfe, diese Messe zu feiern.
Dies bestätigt auch Kardinal Stickler. Er sagte in einem Interview: "1986 stellte Papst Johannes Paul II. einer Kommission von neun Kardinälen zwei Fragen. Erstens: 'Verbot Papst Paul VI. oder eine andere zuständige Autorität die weit verbreitete Feier der tridentinischen Messe in der heutigen Zeit?' Die Antwort, die acht von neun Kardinälen 1986 gaben war: Nein, die Messe vom hl. Pius V. wurde nie verboten: Ich kann das sagen, denn ich war einer von den Kardinälen. Da war noch eine sehr interessante Frage: 'Kann ein Bischof einem Priester in gutem Ruf verbieten, weiterhin die tridentinische Messe zu zelebrieren?' Die neun Kardinäle waren einstimmig der Meinung, daß kein Bischof einem katholischen Priester die Feier der tridentinischen Messe verbieten kann. Wir haben kein of?zielles Verbot und ich glaube, der Papst würde nie ein of?zielles Verbot aussprechen ... eben wegen der Worte Pius V., der sagte, diese Messe wäre für immer".
Ist der neue Meßritus noch der vollgültige Ausdruck der katholischen Lehre vom Meßopfer?
Der neue Meßritus von 1969 stellt nach dem Urteil der Kardinäle Ottaviani und Bacci "sowohl im Ganzen wie in den Einzelheiten ein auffallendes Abrücken von der katholischen Theologie der hl. Messe dar".104 Alle Änderungen sind darauf hingeordnet, den Gedanken an das Opfer zu unterdrücken und sich dafür einer Abendmahlfeier im protestantischen Sinn anzunähern.
Die Forderungen Luthers nach dem Wegfall des Offertoriums und des Kanons sind hier im wesentlichen erfüllt worden. Das alte Offertorium bringt klar zum Ausdruck, daß die Messe ein Opfer zur Sühne für die Sünden ist. Der Priester betet hier: "Heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, nimm diese makellose Opfergabe gnädig an. Dir, meinem lebendigen, wahren Gott, bringe ich, dein unwürdiger Diener, sie dar für meine unzähligen Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten. Ich opfere sie auf für alle Umstehenden und alle Christgläubigen, für die Lebenden und Verstorbenen. Gib, daß sie mir und ihnen zum Heile gereichen für das ewige Leben. Amen". Im neuen Ritus wurde das Offertorium gestrichen und durch eine Gabenbereitung ersetzt, deren Text einem jüdischen Tischgebet entlehnt ist. Es lautet: "Gepriesen seist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde". Hier ist von Opfer und Sühne keine Rede mehr.
Der uralte römische Kanon der Messe wurde zwar als Möglichkeit weiter bestehen gelassen (wenn auch mit einigen Änderungen), es wurden ihm aber neue Kanones beigefügt, die theologisch weniger klar sind, und von denen besonders der 2. Kanon sich dadurch auszeichnet, daß er, wie man geschrieben hat, "in voller Gewissensruhe von einem Priester gefeiert werden könne, der weder an die Transsubstantiation noch an den Opfercharakter der Messe mehr glaubt, und daß er sich daher auch bestens für die Feier eines protestantischen Religionsdieners eignen würde".105 In diesem Kanon kommt nämlich der Begriff des Opfers nicht ein einziges Mal vor. Man behauptet zwar, dieser Kanon sei der alte Kanon des Hippolyt, aber erstens ist er höchstens eine verstümmelte Form dieses Kanons und zweitens vergißt man zu sagen, daß Hippolyt zeitweise Gegenpapst war und es gar nicht sicher ist, ob seine Liturgie in der katholischen Kirche jemals gefeiert wurde. Wegen seiner Kürze erfreut sich dieser Kanon aber großer Beliebtheit und ist unter den vier of?ziellen Kanones der meistgebrauchte.
Welcher Geist die Schaffung des neuen Meßritus beseelt hat, sieht man auch an dem § 7 der Einführung zum neuen Meßbuch. Er lautet: "Das Herrenmahl oder die Messe ist die heilige Zusammenkunft oder die Versammlung des Volkes Gottes, das unter dem Vorsitz eines Priesters zusammenkommt, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern. Deshalb gilt von der örtlichen Versammlung der heiligen Kirche in hervorragendem Maß die Verheißung Christi: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen". Diese De?nition hat nichts spezi?sch Katholisches und könnte genausogut auf eine protestantische Abendmahlsfeier angewendet werden. Die Messe wird hier nicht als Vergegenwärtigung des Opfers Christi, sondern als Versammlung der Gläubigen bezeichnet, obwohl die Anwesenheit von Gläubigen für die Feier der hl. Messe zwar erwünscht, aber nicht notwendig ist. (Darum ist es falsch, wenn es heute im 3. Kanon heißt: "Bis ans Ende der Zeiten versammelst du dir ein Volk, damit deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde". Hier wird der Eindruck erweckt, als sei die Anwesenheit des Volkes für die Feier der Messe erforderlich.) Der Priester ist in diesem Paragraphen nicht Stellvertreter Christi, sondern nur ein Vorsitzender der Gemeindefeier und bei dieser Feier handelt es sich um ein bloßes Gedächtnis, also um eine reine Erinnerungsfeier an das letzte Abendmahl. Erschütternd ist sodann, daß die Gegenwart Christi auf die rein geistige Gegenwart beschränkt wird, obwohl doch Christus in der hl. Messe unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft mit Fleisch und Blut gegenwärtig ist. Zwar wurde aufgrund von Protesten in der Folge dieser Paragraph durch einige katholische Hinzufügungen ergänzt, am Meßritus aber änderte man nichts! Im Grunde gibt die erste Fassung auch genau den Geist der neuen Messe wieder, was man daran erkennt, daß die Gläubigen, die sie lange Zeit besuchen, meist eine solche Auffassung von der Messe haben, wie sie in dieser ersten Fassung zum Ausdruck kommt.
War die Reform des Meßritus eine bewußte Protestantisierung?
Der langjährige Freund Pauls VI., Jean Guitton, berichtete 1993, daß der Papst bewußt aus der Messe alles entfernen wollte, was die Protestanten stören konnte. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß Paul VI. sechs protestantische Pastoren bei der Ausarbeitung des neuen Meßritus mitwirken ließ. Ein berühmtes Photo zeigt ihn zusammen mit diesen protestantischen Religionsdienern. Einer von ihnen, Max Thurian von Taizé, äußerte später: "Nichts in der erneuerten Messe braucht den evangelischen Protestanten wirklich zu stören". Er wurde dann auch 1988 zum Priester geweiht, ohne vorher dem Protestantismus abgeschworen zu haben.
Den genauen Wortlaut der Stellungnahme Jean Guittons in einer Radiodiskussion vom 19.12.1993 veröffentlichte der Abt Dom Gérard Calvet: "Die Absicht Pauls VI. im Hinblick auf die Liturgie, im Hinblick auf das, was man gemeinhin die Messe nennt, ist es, die katholische Liturgie so zu erneuern, daß sie fast mit der protestantischen Liturgie zusammenfällt. ... Aber ich wiederhole: Paul VI. hat alles in seiner Macht Stehende getan, um die katholische Messe - über das Konzil von Trient hinweg - dem protestantischen Abendmahl anzunähern. ... Ich glaube nicht, daß ich mich täusche, wenn ich sage, daß die Absicht Pauls VI. und der neuen Liturgie, die seinen Namen trägt, darin besteht, von den Gläubigen eine größere Teilnahme an der Messe zu verlangen, darin, der Hl. Schrift einen größeren Platz einzuräumen, und weniger Platz all dem, was es darin (wie einige sagen) an Magischem, wie andere sagen, an substantieller, transsubstantieller Konsekration gibt, was der katholische Glaube ist; anders gesagt, es gibt bei Paul VI. eine ökumenische Absicht, all das, was es in der Messe an allzu Katholischem im traditionellen Sinn gibt, auszulöschen, oder wenigstens zu korrigieren, oder wenigstens abzumildern, um die katholische Messe, ich wiederhole es, der kalvinistischen Messe anzunähern".106
Man vergleiche hierzu auch das Buch "Die Liturgiereform" von Annibale Bugnini, des Hauptverantwortlichen für die Neue Messe, in dem er seine ökumenischen Absichten sehr offen darlegt.
Gehört die Promulgation eines Ritus nicht zur Unfehlbarkeit der Kirche?
Es wird manchmal behauptet, die Einsetzung eines neuen Ritus oder die Veröffentlichung eines allgemeinen (z.B. liturgischen) Gesetzes ?elen automatisch unter die Unfehlbarkeit der Kirche, so daß hier nichts Falsches oder der Kirche Schädliches enthalten sein könne. Dies ist aber nicht wahr. Es verhält sich hier ähnlich wie mit der päpstlichen Unfehlbarkeit. So wie nicht jedes Wort des Papstes unfehlbar ist, sondern die Unfehlbarkeit ihm nur dann zukommt, wenn er sie beansprucht, so ist auch nicht jedes liturgische Gesetz von sich aus unfehlbar, sondern nur dann, wenn die Kirche dieses mit ihrer ganzen Autorität erläßt und hier unfehlbar sein will.
So stand im "Römischen Ponti?cale" z.B. lange Zeit eine Rubrik, daß der Bischof bei der Priesterweihe genau darauf achten solle, daß der zu Weihende Kelch und Patene berühre, weil dadurch der priesterliche Charakter eingeprägt werde. Diese Rubrik enthielt offensichtlich einen Irrtum und wurde darum nach der Erklärung Pius XII. (Sacramentum ordinis 1947), daß allein die Handau?egung wesentliche Materie der Priesterweihe sei, gestrichen. In den "Römischen Pontificalen" des 13. Jahrhunderts fand sich sogar der Irrtum, daß die Verwandlung des Weines in das Blut Christi sich auch ohne Wandlungsworte durch die einfache Berührung des Weines mit einer konsekrierten Hostie vollziehen würde.
In bezug auf die Neue Messe hat Papst Paul VI. selbst erklärt, daß ihre Riten verschiedene theologische Quali?kationen empfangen könnten: "Die gemeinten Riten und Rubriken sind nicht in sich selbst eine dogmatische De?nition; sie können eine theologische Quali?kation von verschiedenem Wert empfangen, gemäß dem liturgischen Kontext, auf den sie sich beziehen. Sie sind Gesten und Worte, die auf eine religiöse Handlung bezogen sind, ... eine Handlung, die allein die theologische Kritik analysieren und in doktrinellen Formulierungen, die logisch befriedigend sind, ausdrücken kann".107 Damit dürfte die Behauptung, die neue Messe sei ein Gegenstand der kirchlichen Unfehlbarkeit, unhaltbar sein.
Was ist von der Zelebration zum Volk hin zu halten?
Durch die Zelebration in Richtung des Volkes soll der Mahlcharakter der Messe betont werden. Darum wird dem sog. Volksaltar auch oft bewußt die Form eines Tisches gegeben. Der Priester ist hier Vorsitzender der Tischgemeinschaft und wendet sich als solcher natürlich dem Volk zu. Da die Messe kein Mahl ist, ist diese Praxis abzulehnen.
Zudem wird durch die Zelebration in Richtung des Volkes der Eindruck erweckt, daß es sich bei der Feier der Messe um eine rein innerweltliche Feier handelt, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Das Gebet wird erschwert, denn das Stehen von Angesicht zu Angesicht ist nicht die Haltung des Gebets.
Die angebliche Rückkehr zu urchristlichen Formen, mit der die Änderungen in der Messe oft begründet werden, hat Pius XII. in Mediator Dei als "übertriebene und ungesunde Altertumssucht" verurteilt. Er schreibt: "So würde z.B. vom rechten Weg abweichen, wer dem Altar die alte Form der Mensa, des Tisches wiedergeben wollte. ... Wenn es sich um die heilige Liturgie handelt, (so ist) offensichtlich von keinem weisen und gesunden Eifer getrieben, wer zu den alten Riten und Bräuchen zurückkehren und die neuen ablehnen wollte, die doch unter dem Walten der göttlichen Vorsehung mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse eingeführt worden sind".108
Höchstwahrscheinlich hat es aber die Zelebration zum Volk hin in der alten Kirche gar nicht gegeben.
Zwar geben manche alten Basiliken den Eindruck, als hätte der Priester dort zum Volk hin zelebriert. In Wahrheit aber hängt die räumliche Anordnung mit der Zelebration nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen, zusammen. War die Basilika nach Westen gerichtet, wendete sich der Priester nämlich bei der Zelebration nach Osten, weil man in der aufgehenden Sonne ein Symbol für den auferstandenen Christus sah. Dann hatte er zwar das Volk vor sich, aber da dieses sich ebenfalls nach Osten wendete und somit den Priester im Rücken hatte, kam es nicht zu einem Gegenüberstehen von Priester und Volk.
Ist die neue Messe gültig?
Die Gültigkeit der Messe ist mit der Gültigkeit der Wandlung gegeben, also mit der Verwandlung des Brotes in den Leib und des Weines in das Blut Christi.
Die neue Messe ist gültig, wenn sie von einem Priester mit der rechten Intention gefeiert wird. Der Priester muß hier nämlich tun wollen, was Christus und die Kirche bei der Feier der hl. Messe tun, d.h. er muß sich bewußt als Werkzeug in den Dienst Christi und der Kirche stellen. Würde der Priester darum im bewußten Gegensatz zur kirchlichen Lehre nicht ein Opfer, sondern nur eine Erinnerungsfeier an das letzte Abendmahl feiern wollen, wäre die Messe nicht gültig. Da der neue Meßritus leicht in einem solchen protestantischen Sinn verstanden werden kann, muß man befürchten, daß viele Priester nicht mehr die nötige Intention für die Feier der Messe haben, besonders wenn ihnen in ihrer Ausbildung ein ganz falsches Bild von Kirche, Priestertum und Messe gegeben worden ist.
Weitere Kriterien für die Gültigkeit der Messe sind die richtige Materie und Form, d.h. die Verwendung von Weizenbrot und Traubenwein sowie das Aussprechen der Wandlungsworte "Dies ist mein Leib - dies ist mein Blut (bzw. der Kelch meines Blutes)" durch den Priester. Wird anderes Brot oder anderer Wein verwendet oder läßt der Priester die Wandlung aus, so ist die Messe nicht gültig.
Ein besonderes Problem ergibt sich hier noch daraus, daß in den meisten landessprachlichen Meßbüchern die Wandlungsworte über den Kelch falsch übersetzt wurden. In der lateinischen Fassung heißt es noch richtig: "Mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird". Daraus machte man: "Mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird". Diese Übersetzung ist offensichtlich falsch. Das "für alle" ?ndet sich weder in den Einsetzungsberichten der Hl. Schrift noch in den Wandlungsworten sämtlicher traditionellen Liturgien. Es ist zwar richtig, daß Christus sein Blut für alle Menschen vergossen hat, insofern alle Menschen die Möglichkeit haben, das Heil zu erlangen. Damit ist dann das Heilsangebot gemeint. In der Messe aber geht es um den Neuen Bund ("Dies ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut ..."), und zu diesem Bund gehören nun einmal nicht alle, sondern nur viele, nämlich diejenigen, die das Heil annehmen. In der Messe geht es also nicht um das Heilsangebot, sondern um die wirksamen Heilsvermittlung.
Es ist offensichtlich, daß der Grund für diese falsche Übersetzung die moderne Annahme der Allerlösung ist, also der Glaube, daß kein Mensch verloren gehe. Somit haben wir in den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Dieser muß nun zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, wenigstens dann nicht, wenn der Priester das "für alle" in einem rechtgläubigen Sinn versteht, nämlich als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das "für alle" falsch, und wenn der Priester es tatsächlich im Sinn der Allerlösung versteht, dann wäre die zweite Wandlung wahrscheinlich ungültig.
Wie wichtig man diese falsche Übersetzung nimmt, sieht man an folgendem Beispiel. In Ungarn fand man in den landessprachlichen Übersetzungen der Meßbücher bis vor wenigen Jahren noch richtig das "für viele" abgedruckt. Nach der Öffnung der Grenzen aber gab man aus diesem Grund neue Meßbücher heraus, in denen sich nun auch das "für alle" ?ndet. Wenn man einen solchen Aufwand wegen eines Wortes betreibt, dann ist dies ein Beweis dafür, daß es den Neuerern um etwas Wichtiges geht. Diese Änderung wird also von ihnen als entscheidende Änderung betrachtet.
Wie soll man die hl. Kommunion empfangen?
Die hl. Kommunion muß in einer ehrfürchtigen Weise empfangen werden, da sie den Herrn Jesus Christus mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut enthält. Diese Ehrfurcht kommt am besten durch die Praxis der Mundkommunion zum Ausdruck, bei welche der Priester dem knienden Gläubigen die Hostie auf die Zunge legt.
Die Wahrheit der wirklichen Gegenwart Jesu Christi in diesem Sakrament ist unzweideutige Lehre der Hl. Schrift. Christus spricht: "Mein Fleisch ist eine wahre Speise, und mein Blut ist ein wahrer Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm" (Jo 6, 55f). Bei der Einsetzung der Messe beim letzten Abendmahl "nahm Jesus Brot, sprach den Segen, brach es und gab es den Jüngern mit den Worten: "Nehmt hin und esset, das ist mein Leib". Und er nahm einen Kelch, sagte Dank, gab ihn ihnen und sprach: "Trinket alle daraus, denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung des Sünden"" (Mt 26, 26f).
An die wirkliche Gegenwart Christi haben die Christen darum einmütig eineinhalb Jahrtausende geglaubt und dieses Sakrament als kostbarstes Geschenk des Herrn in hoher Verehrung gehalten, bis im 16. Jahrhundert die Reformatoren große Massen zum Abfall vom Glauben an die Eucharistie geführt haben.
Ist die Handkommunion eine würdige Form des Kommunionempfanges?
Die Handkommunion ist in der ehrfurchtslosen Form, in der sie heute praktiziert wird, mit dem Glauben an die wahre Gegenwart Christi in der hl. Kommunion nicht zu vereinbaren und darum abzulehnen. In dieser Form hat es sie in der Kirche auch nie gegeben.
In einigen Teilen der alten Kirche hat es zwar die Handkommunion gegeben; aus Beschreibungen und Bildern wissen wir aber, daß diese ganz anders praktiziert wurde, als es heute üblich ist. Der Kommunikant trat nämlich in gebeugter Haltung zum Empfang hinzu, wobei die Hand wenigstens an manchen Orten mit einem Tuch verhüllt sein mußte. Der Priester legte ihm die hl. Hostie auf die rechte (!) Hand und der Gläubige nahm sie dann mit dem Mund auf, ohne sie mit der Hand zu ergreifen. Das heute übliche Ergreifen der Hostie mit der rechten Hand stellt dagegen eine in bezug auf den Herrenleib unangemessene Geste der Besitzergreifung und des sich Ermächtigens dar. Der hl. Cyrill von Jerusalem mahnt die Gläubigen, darauf zu achten, daß dabei kein Teilchen zu Boden falle: "Habe acht, daß dir nichts davon auf den Boden falle. Was du davon fallen ließest, wäre natürlich soviel als Verlust eines deiner eigenen Glieder. Sage mir doch: Würdest du nicht, wenn dir jemand Goldstaub gäbe, denselben recht sorgfältig aufheben, damit ja nichts verloren gehe und du keinen Schaden erleidest? Solltest du also nicht viel mehr darauf bedacht sein, daß dir kein Brosämlein von dem verloren gehe, was kostbarer ist als Gold und Edelstein?"109 Hier atmet alles Ehrfurcht! Wo hört man dagegen heute solche Mahnungen? Durch die Handkommunion fallen viele Partikel zu Boden, auf die man nicht die geringste Sorgfalt verwendet. Dies ist eine objektive Unehrerbietigkeit Christus gegenüber.
Zudem war es ein wahrer Fortschritt, als die Kirche die Handkommunion abschaffte und die würdigere Mundkommunion zur allgemeinen P?icht machte. Der Heilige Geist führt die Kirche durch die Jahrhunderte, und es kommt einer Leugnung dieser Führung gleich, wenn man meint, die im Laufe der Zeit gemachten Änderungen seien alle schlecht gewesen und man müsse wieder zu den Anfängen zurück.
Was sind die Folgen der Handkommunion?
Die Folge der Hand- und Stehkommunion ist wenigstens mitverantwortlich für den Verlust des Glaubens an die wirkliche Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie bei vielen Gläubigen. Wer ernsthaft glaubt, daß er in der hl. Kommunion den Gottmenschen empfängt, kann nicht ohne Zeichen der Ehrfurcht zu diesem Sakrament hinzutreten. Die Handkommunion hat darum zunächst zu Lauheit und Gleichgültigkeit, schließlich aber zur Aufgabe des Glaubens überhaupt geführt.
Natürlich sind hier auch noch andere Faktoren im Spiel, vor allem die schlechte Verkündigung in Unterricht und Predigt, wo die Gegenwart Christi heute oft nur noch als symbolische Gegenwart gelehrt und die wahre Verwandlung des Brotes in den Leib Christi geleugnet wird. Die Handkommunion hat die Gläubigen aber auf die Annahme dieser falschen Lehren vorbereitet, denn wenn die Hostie nur ein Symbol für Christus ist, dann ist es erklärlich, daß man die Kommunion ohne besondere Ehrfurchtsbezeugungen empfängt.
Ist die hl. Messe in der lateinischen Sprache zu feiern?
Es ist in höchstem Maß angemessen, die hl. Liturgie in einer Sprache zu feiern, die dem profanen Gebrauch entzogen ist; denn eine Sprache, die auf der Straße verwendet wird, entspricht dem heiligen Geschehen nicht. Diese Sprache ist in der westlichen Kirche Jahrhunderte lang die lateinische Sprache gewesen. Aber auch in den anderen Teilen der Kirche und selbst in vielen nichtchristlichen Religionen ?ndet sich eine besondere Kultsprache.
So feiern die orthodoxen Griechen ihre Liturgie in Altgriechisch und die Russen in Altslawisch. Die Juden verwendeten schon zur Zeit Christi die dem Volke unverständliche althebräische Sprache für den Gottesdienst, was weder Christus noch die Apostel getadelt haben. Auch den Mohammedanern ist diese Praxis nicht fremd, denn sie verwenden für ihre Gebete das Altarabisch.
Verstehen die Gläubigen die Messe in der Volkssprache nicht besser?
In der hl. Messe vollziehen sich unaussprechliche Geheimnisse, die kein Mensch vollkommen verstehen kann. Dieser Mysteriencharakter der Messe soll in der geheimnisvollen Sprache ihren Ausdruck ?nden. Die nicht allgemein verständliche Sprache soll also gerade darauf hinweisen, daß wir vor einem Geheimnis stehen. (Dem gleichen Zweck dienen auch die still gebeteten Teile der Messe.)
Dagegen täuscht die Landessprache eine Verständlichkeit vor, die gar nicht gegeben ist. Die Leute meinen heute, sie wüßten, was die Messe ist, weil sie in der Landessprache gefeiert wird. In Wahrheit begreifen sie jedoch vom Wesen der hl. Messe meistens gar nichts.
Natürlich soll der Mysteriencharakter nicht soweit gehen, daß die Gläubigen überhaupt nichts von dem verstehen, was sich am Altar vollzieht. Darum verp?ichtete das Konzil von Trient die Priester, oft über die Messe zu predigen und den Gläubigen die Riten zu erklären. Zudem gibt es heute das Volksmeßbuch (Schott oder Bomm), in dem die lateinischen Gebete übersetzt sind, womit allen Gläubigen der Zugang zu den schönen Gebeten der Liturgie eröffnet ist, ohne daß die Vorteile des Lateins aufgegeben wären.
Welche Gründe sprechen noch für die Verwendung des Lateins?
Weitere Gründe für die Verwendung des Lateins sind:
1. seine Unveränderlichkeit;
2. seine bald zweitausendjährige Verwendung in der Liturgie;
3. daß es ein Symbol für die Einheit der Kirche ist.
Zu 1: Da das Latein eine tote Sprache ist, verändert es sich nicht mehr. Dies hat für die Reinerhaltung des Glaubens eine große Bedeutung. In lebendigen Sprachen ändern nämlich im Laufe der Zeit manche Worte ihren Sinn in bedeutender Weise. So bedeutete "niederträchtig" früher "demütig", "hochmütig" hatte den Sinn von "hochherzig" und "Leichnam" bedeutete ganz einfach "Leib" (wie man am deutschen Wort "Fronleichnamsfest" = "Fest des Leibes des Herrn" noch sehen kann). Auf diese Weise können durch den Gebrauch der Volkssprache leicht Irrtümer in die liturgischen Texte eindringen, während es im Lateinischen auch bei sehr alten Texten keine Verständnisschwierigkeiten gibt.